Freitag, 4. Februar 2011

058 Fiddle Race bei Kopplins in York

Liebe Freunde

Der Filmemacher Mick Lynch hat diese Impressionen während eines Fiddle Race im vergangenen Herbst eingefangen. Max Zanders und ich waren zu Gast in York, bei Jörg und Steffi Koplin, um eine kleine Variante einer eigentlich eher grossen Viola von Jakob Ford innert dreier Tagen nachzubauen.

Geniesst den Kurzfilm, der auch in HD verfühbar ist.

Liebe Grüsse
Gabriel


Donnerstag, 20. Januar 2011

057 Oh mio babbino caro...

Liebe Freunde

Hab mich heute aus Jux selber gefilmt beim Adergraben schneiden. An diesem Ereigniss will ich Euch natürlich teilhaben lassen. Ich möchte ausserdem darauf hinweisen, dass der zweite Teil des Films visuell nicht viel zu bieten hat. Umso schöner sind die Klänge. Also am Besten nach 50 Sekunden die Augen schliessen und geniessen...gute Nacht

Euer Gabriel


Dienstag, 11. Januar 2011

056 "Ihr Konto wurde geschlossen"

Liebe Freunde

Ich hoffe Ihr hattet alle wunderschöne Festtage und konntet wieder einmal richtig auftanken. Der Eindruck des herrlichen Schnees, der tagelang, ohne davon zu schmelzen und mit einer ungemein beruhigenden Wirkung auf die Umwelt, auf den Feldern des Thurgau lag, wird mich noch ein wenig in die kommende Zeit begleiten. (Was für ein Konstrukt, dieser Satz)
Hier in England ist es nun wieder recht angenehm, obwohl ich mir den Schal bestimmt noch eine Weile montieren werde, bevor ich aus dem Haus gehe.

Ich hatte Besuch dieser Tage! Meine Schwester war mit ihrer kleinen Tochter und einer  Jugendfreundin samt Baby in meiner Wohnung in England. Ich merkte einmal mehr, wie verschieden doch die Eindrücke bei Neuankömmlingen im Gegensatz zu Langzeitprobanden sind. Es waren herrliche Tag voller Familienleben und Gemeinschaftsaktivitäten.

Nach dem Wochenende kehrt also definitiv der Alltag wieder ein und dazu gehörer anscheinend auch einige Schocks:

Schock Nr 1:
Meine Bank hat mir mein Konto aufgelöst.
Ja, ich staunte nicht schlecht, als ich übers Wochenende immer wieder in meine Online-Banking einsteigen wollte und da aber immer eine unsinnige Fehlermeldung erschien. Hab mir halt gedacht, dass die britischen Server auch mal blau machen und  am Tag darauf nochmal versucht etc... als dann heute Morgen immer noch nichts los war, ging ich zur Bank und fragte nach, ob sie vielleicht ein Problem mit dem Internet-Banking haben? Sie wisse nichts, meinte die unwissend scheinende Dame und bot mir einen Kunden-Rechner an um es mal zu demonstrieren. Ja da schau her, die Anzahl der Fehlermeldungen wurden noch spektakulärer. Das Fräulein bat mich um meine Karte um der Sache auf den Grund zu gehen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten sagte sie höflich:"your account has been closed", und ich kriegte einen kleinen Lach-Anfall. Das war ihr glaub ich etwas peinlich. Ich konnte mich nicht zurückhalten zu fragen was denn der Grund sei für die Schliessung meines Kontos. Sie meinte dann nur, das ich die AGB's verletzt hätte indem ich seit Bestehen des Kontos drei mal eine Zahlung ausgeführt hätte, welche zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gedeckt gewesen wäre. Ich konnte es immer noch nicht fassen. "Haaaloooo, ich bin Student und lebe am Limit, sind sie sicher dass dies erst drei Mal passiert ist?" Ich bat sie dann mir das Konto doch wieder zugänglich zu machen und wollte ihr gerade versichern, dass es auch nicht wieder vorkommen soll als sie mich unterbrach und meinte, das Konto sei geschlossen. Das kann man nicht mehr öffnen. Aber ich dürfe mich gerne für ein neues Konto bewerben. Ich schaute ihr für lange fünf Sekunden in die Augen, holte etwas Luft und sagte recht bestimmt: Geben sie mir sofort mein Geld! Und die detaillierten Bankauszüge der letzten zwei Monate! Oder noch besser der letzten sechs Monate! Ich konnte nicht glauben was da gerade passiert ist... Stellt euch vor dies würde in der Schweiz passieren?!?! Aber ich bin hier ja ein Ausländer und muss mich wohl oder übel den örtlichen Gepflogenheiten beugen. Also liess ich mich auszahlen und verliess Fassungslos die Bank. Zehn Meter weiter musste ich wieder laut Lachen. Dann schüttelte ich nur noch den Kopf.

Schock Nr 2:
Geigenbaustudenten müssen bis ende Woche Wohnung räumen.
Ja, ich staunte nicht schlecht, als ich heute in der Schule vernahm, dass acht unserer Studenten, vier davon in meiner Klasse, auf Anordnung des Vermieters ihre Wohnungen räumen müssen. Die vier in meiner Klasse sogar bis Ende Woche!! Der Vermieter ist in diesem Falle einer unserer Lehrer macht wohl gerade die Krise seines Lebens durch. So wie es scheint, macht sich seine Ex-Frau und Geschäftspartnerin nach einigen Jahren friedlichen Jobsharings, langsam aber sicher aus dem Staub. Was für einen normal denkenden Menschen relativ normal klingt, tönt wohl für einen ichbezogenen Menschen eher egoistisch. Ich muss an dieser Stelle die Ex-Frau in Schutz nehmen. Ich habe sie in den vergangenen Jahren nicht nur als Lehrerin sondern auch als Mensch etwas kennen gelernt. Es macht den Anschein, als hätte sie sich sowohl in privaten Belangen als auch in geschäftlichen Bereichen immer noch um all seine Angelegenheiten gekümmert, obwohl der Gute inzwischen bereits wieder mindestens zwei Verlobte hatte und nebenher noch eine weitere Geigenbauschule gründete, die er ohne seine Ex-Frau auch gar nicht hätte halten können. Lieber Leser, du merkst schnell, dass die ganze Situation schwierig ist. Man erzählt sich, dass die liebe Ex das Weite sucht und der Vermieter das Korn heut Abend am liebsten mit der Flinte ernten würde, wenn ihm da nicht der Apfel in der Dämmerung unweit vom Stamm - welcher übrigens einer Acker-Rübe gleicht - schon an seiner Grube graben würde (ich liebe das kombinieren von Sprichwörtern). Es wird sich zeigen wie sich die Situation entwickelt. Jedenfalls hatte ich rasch das Gefühl, dass ich mich im Vergleich zu meinen Kommilitonen mit der Kündigung meines Kontos in der Kategorie der "mässigen" Katastrophen befinde.

Schock Nr 3:
Bereits die sechste Freundin innerhalb von 14 Tagen ist schwanger.
Ja, ich staunte nicht schlecht, als ich über Weihnachten nach Hause kam und an fast jedem zweiten Tag aufs Neue mit der frohen Hoffnung mir bekannter Weiblichkeiten betraut wurde. Interessant zu betrachten, was sich plötzlich im Kopf auf ganz verschiedensten Ebenen abspielt. Zuerst ist da natürlich die überaus grosse Freude am Wunder eines heranwachsenden Geschöpfes. Dann die Freude, dass sich der Wunsch, eine Familie zu gründen, erfüllt hat. Kurz darauf kommt ein Gedanke, ein Realisieren ja fast schon ein Erwachen. Die Wahrnehmung, dass die Natur einem mit Händen und Füssen zeigt (grundsätzlich mein ich das bildlich, aber der Ultraschall machts natürlich auch), dass es jetzt langsam an der Zeit wäre, sich zu Paaren (merkt Ihr, wie ich in der dritten Person erzähle?). Dieser revolutionäre Gedanke birgt wiederum eine ganze Reihe an Fragen, Ängsten, Ideen und Plänen. Und es krempelt nicht zuletzt das männliche Idealbild eines Autos völlig um. Schon daran erkennt man den drastischen Einschnitt. Die Schwangerschaft vermag also dieses Idealbild zu destabilisieren, welches die ganze Kindheit hindurch, während der Pupertät, der ersten Freundin, der Lehrzeit, mehrerer Persönlichkeitskrisen und sämtlichen Problemen der Berufswelt stand gehalten hat. Wie ist das nur möglich?
Und trotzdem, ich freue mich unglaublich darauf irgendwann eigene Kinder zu haben und geniesse solange einfach die Sprösslinge all meiner Freunde.

Dies waren sie, meine persönlichen drei Schocks zum Neuen Jahr.
Herzlichste Grüsse
Euer Gabriel