Montag, 27. September 2010

055 Der Anfang meines Cello

Liebe Freunde

Wie Ihr ja wisst, befinde ich mich in der letzten Phase meiner Ausbildung in Newark. Im dritten und letzten Jahr also steht für mich jetzt erst mal der Bau eines Cello auf dem Plan. Hierbei handelt es sich um eine Goffriller Kopie, dessen Masse ich an einem Original-Instrument in meinen Sommerferien aufgenommen habe. Eine sehr schöne und eindrückliche Arbeit. Dabei hab ich allerlei Kuriositäten bezüglich des Baus des Instrumentes Festgestellt oder vielleicht sollte ich vielmehr sagen: viele Punkte haben mich zum Nachdenken gebracht. Hier ein Teil-Bild des Originals von Vorne.

Auf einer Weiterbildungsreise im Sommer konnte ich in der Nähe von Erlangen (D) ein recht besonderes Stück Holz erwerben. Es handelt sich dabei um eine geflammte Weide, welche ich für den Boden und die Zargen (Rahmen) des Cello verwenden werde. Wie mir der Geschäftsführer der Sägerei versicherte, sei dies eine Rarität. Seit Jahren sei er nun schon auf der Suche, aber so etwas hätte er nie mehr gefunden.

Weide haben die Italiener nur selten verwendet, dafür eher Pappel. Das Original-Instrument ist auch mit einem Pappelboden versehen. Ich bin sehr gespannt auf den Klang meiner "Kopie". Ich muss dazu sagen, dass ich nicht alle Parameter 1:1 übernehme. Es ist wichtig abzuschätzen, welche Masse wirklich im Sinne des Bauers waren, und welche im Laufe der Zeit (Restaurationen oder Reparaturen) geändert wurden. Einige recht extreme Ansätze in der Grundkonstruktion behalte ich allerdings bei. So etwa die recht starke Konizität der Zargen, die vom Hals her Richtung Stachel stark zunimmt. Bei meinem Modell hab ich hier einen Höhenunterschied von etwa 15mm wo normalerweise bei uns an der Schule 6mm empfohlen werden. Auch über den Verlauf dieser Kurve habe ich mir eingehen Gedanken gemacht und mit meinen Lehrern, Kommilitonen und einem Geigenbauer darüber diskutiert.

Ich hab mich nie mehr als Geigenbauer gefühlt denn jetzt! So viele Details müssen entschieden werden. Alles hat irgendwie einen Einfluss (oder vielleicht auch nicht?). Ich fühle mich gerade sehr "zu Hause" aber jeder Tag braucht frischen Mut.

Am Samstag Morgen hab ich meine C-Zargen gebogen bei schönem Morgenlicht. Hier eine Impression.

(das Hölzchen auf dem Tisch wird später gebogen wie ein "C" und bildet den seitlichen Rahmen in der Mitte eines Cello ... siehe LINK unten)

Mit den Massen, die ich vom Original genommen habe, konstruierte ich zuerst mal ein Formbret. Dieses ist die geometrische Grundlage für die Form der Zargen. Es gibt viele Möglichkeiten, so ein Formbrett zu gestalten. Ich habe eine recht einfache Variante gewählt mit einer Isolationsplatte zwischen zwei parallel verleimten, identischen Brettern.


Unter folgendem Link könnt Ihr während den nächsten Monaten den bildlichen Fortschritt meines Cello beobachten: LINK

Ich danke Euch für Euer Interesse! Wenn Ihr Fragen oder Anmerkungen habt, dann bitte Fragt, und nutzt dazu das Kommentierfeld.

Liebe Grüsse aus dem immer kälter werdenden England

Euer Gabriel

Dienstag, 7. September 2010

054 Wir haben einen Telefonanschluss

Liebe Freunde

Als wir vor gut zwei Wochen hier angekommen sind, haben wir uns ja umgehend über die Möglichkeiten des Telefonierens und des Internets informiert. Entschieden haben wir uns dann für TalkTalk, denn diese Firma bietet sehr günstige Auslandstarife an.Einige Tage später erhielten wir dann Post von TalkTalk mit der Notiz, dass unsere Leitung tot sei und diese am 7.Sept. von einem Techniker in Betrieb genommen werde. Das Internet funktionierte mit ja komischerweise... nun gut, dachte ich, lassen wir und überraschen.
Heute ist nun endlich der Techniker von BT (British Telecom) zu uns gekommen. Sein Notisbuch prüfend stand er vor der Tür, als ich gerade das Haus verlassen wollte. Da unsere Klingel noch nicht funktioniert (wir wohnen ja auch erst seit 16 Tagen hier!!), war dies ein angenehmer Zufall. Ich hab ihn also kurz hinauf gebeten um ihm die Telefondose zu zeigen. Die vielen Räume haben ihn wohl etwas verwirrt, aber er fand die Wohnung schön. Nach dem Anschliessen einiger Testgeräte entnahm ich den Runzeln seiner Stirn, dass es wohl etwas länger dauern würde. Da ich sowieso auf dem Weg zur Schule war, hab ich Svea gebeten, sich um ihn zu kümmern und ihm vielleicht bei Gelegenheit einen Kaffee zu offerieren.

In der Schule herrscht immer noch Verwirrung und Unverständnis über die neuen Einschreibe-Bögen des College. Wir haben uns die letzten Jahre schon über den Abschnitt der ethnischen Herkunft gewundert. Da gibt es 18 Möglichkeiten anzukreuzen. Bei uns würde man dies als puren Rassismus deklarieren, aber hier fällt es unter "statistische Erhebungen". Aber der diesjährige Bogen schiesst den Vogel ab. Jetzt möchten sie gerne die Religionszugehörigkeit wissen. Auch hier, neun Möglichkeiten, wobei das erste "konfessionslos" ist. Dann interessiert sie weiter die "sexuelle Orientierung", wobei fünf Mögliche in Frage kommen. Die erste Möglichkeit "bisexuell". Dann die sehr delikat formulierte Frage: "Ist Ihr Geschlecht heute dasselbe, wie jenes, welches Ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde?" Da kommt einem die letzte merkwürdige Frage nach Zuchthausaufenthalt gerade lächerlich vor. Tja, man kann sich jetzt darüber amüsieren oder nicht, ich finde die Erhebung dieser Fragen eine absolute Katastrophe. Leider gibt es sogar noch Leute, die meinen, diese Art von Fragen hätten tatsächlich eine grosse Relevanz. Ich frage mich, was ein Schüler denkt, der aus dem japanischen Hochland zu uns nach Europa kommt, um dieses kulturreiche Handwerk zu erlernen, dessen Familie und Verwandte Geld zusammenlegen, damit sie ihren Spross hierhin schicken können...ja meine Lieben, was denkt der sich wohl? Ist sowas überhaupt normal? Ist das in der Schweiz auch schon so? Oder in Deutschland? Es würde mich sehr interessieren! Bitte berichtet, was zu diesem Thema wisst!

Jedenfalls ging ich dann zum Einschreibe-Büro und absolvierte mit viel Charme (wie immer) das Prozedere. Und Gott sei Dank, ich studiere auch in meinem letzten Jahr gebührenfrei, juppie!!
Als ich nun von der Schule nach Hause komme, sehe ich die Cartergate mit zwei Hebebühnen-Lieferwagen der British Telecom blockiert. Ob die wohl wegen mir hier sind?

 

Und siehe da, der freundliche Mann von vorhin kletterte auf dem Dach des Casino umher und installierte neuen Telefondraht. Hoffentlich muss ich das nicht zahlen, dachte ich, und rechnete innerlich die anfallenden Kosten für diesen Monat zusammen. Nach etwa einer halben Stunde kam dann der Techniker die Treppe hoch, um die Linie zu kontrollieren. Ich setze heisses Wasser auf und beobachtete. Er hat dann allerlei Tests durchgeführt und hat mir auch ab und zu etwas näher erklärt. Eine recht aufwändige und wohl auch kostspielige Apparatur hatte er da. Diese Kiste war imstande alle möglichen Impedanzen, Spannungen und Kapazitäten zu messen. Der Anzeigebildschirm war hübsch. Auch der aus Metall gegossene Notebook was imposant. Ein Auto könne es überfahren ohne Schaden davon zu nehmen (das Auto natürlich, haha)! Dieser Satz gerade eben war ja prädestiniert um falsch verstanden zu werden, was? Zum Glück wisst Ihr wie ich es meine. Ich staunte nicht schlecht, und wir begannen uns über Technik und Geigenbau zu unterhalten. Sein Kaffee war bereit. Milch und Zucker auch. Eis wolle er keines, da er bald Abendessen bekomme. Die Tests waren erfolgreich und so haben wir uns noch 20 Minuten über Gott und die Welt unterhalten, mit dem Ergebnis, dass er nächsten Freitag im White Hart vorbei schauen wird um uns beim Spielen zuzusehen und ich eine amerikanischen Band namens "The Low Anthem" googeln werde, welche gerade auf Europatournee ist.

Also liebe Freunde, ruft an!! 0044 1636 918 305

Es grüsst Euch herzlich
Euer Gabriel

P.S. Die Rechnung zahlt die Telecom, Glück gehabt...

Montag, 6. September 2010

053 Der Vertrag

Liebe Freunde

Da ich letztes Jahr wegen Hochzeiten und allerlei Events viel zu oft in der Schule gefehlt habe, musste ich Salva noch vor den Sommerferien per Video-Vertrag versprechen, dass er mich richtig fest ohrfeigen darf, falls ich mich zwischen Weihnachten und Neujahr erdreisten würde nach Hause zu fliegen. Das Folgende Video ist also das offizielle Abkommen...

Viel Spass!


Donnerstag, 2. September 2010

052 Raphael - Major vs Tellerwäscher

Liebe Freunde

Seit ich hier auf dieser Insel gestrandet bin, begene ich den merkwürdigsten Gestalten. Eine von ihnen ist sicher mein inzwischen lieb gewonnener Freund, Raphael. Er ist Jude und führt hier im Dorfkern ein kleines Kaffee namens "Delicious". Salva hat mich vor etwa einem Jahr das erste Mal zu ihm geschleppt, um eine seiner (inzwischen legendären) Suppen zu probieren - ja ich weiss, ein Kaffee, aber er verkauft auch Suppen. Wirklich ein lustiger Vogel dachte ich, so ein wenig gestresst rennt er da hinter dem Tresen auf und ab und murmeld allerlei Kauderwelsch zusammen. Seine linguistischen Künste sind mir bald aufgefallen. Mit Salva unterhält er sich auf italienisch, mit mir auf deutsch, mit seinen Kindern spricht er hebräisch, mit den Kunden englisch (ausser wenn er explizit Wert darauf legt, dass sie seine Worte nicht verstehen). Raphael möchte ich diesen Eintrag widmen, denn ich seh ihn doch fast jeden Tag und er gehört schon fast zu meiner "britischen Familie".

Gewonnen hat mich dieser kleine, über sechzig jährige Mann definitiv mit seiner vorzüglichen Suppe, seinem zuckersüssen Charme und dem damit meist in Verbindung stehenden messerscharfen, schwarzen Humor. Zu seinem Werdegang muss man wissen, dass er in Europa geboren wurde, seine Eltern aber im zweiten Weltkrieg via Portugal nach Israel flüchteten. In relativ armen Verhältnissen sei er aufgewachsen, seine Eltern hätten kein Geld gehabt, ihn auf eine bessere Schule zu schicken, dabei wäre er so gerne Dirigent geworden. Als junger Mann ging er dann zur Armee, um den obligatorischen Dienst zu leisten. Seine Vorgesetzten merkten anscheinend bald, dass er etwas in der Birne hatte und haben ihm eine Militärlaufbahn vorgeschlagen, die er dankend ablehnte. Das einzig Atraktive daran wäre gewesen, dass er während der Ausbildung ein Studium im Ausland hätte absolvieren können. Aus diesem Grund nahm er dann nach reiflicher Überlegung das Angebot doch an. Zu seinem grossen Unvergnügen (gibts dies Wort überhaupt?) war aber nur noch ein Studienplatz in Berlin frei (Unvergnügen deshalb, weil er eigentlich ungern in das Land wollte, ausdem seine Familie Flüchten musste), wo er dann Politwissenschaften und Geschichte studierte. Der Literatur und der Musik war und ist er immer noch sehr angetan. Nicht selten rezitiert er Auszüge aus irgendwelchen Stücken der deutsch-literarischen Hochkonjunktur. Auch vieler Anekdoten mit und ohne Berühmtheiten weiss er sich situationsgerecht zu bedienen und erfreut dabei sein Kaffee-Publikum.

Die Jahre des Lernens und Lebens schloss er dann mit seiner Doktorarbeit ab und kehrte wieder nach Israel zurück. Dort musste er sich dann für 25 Jahre Militärdienst verpflichten. Eine nicht ganz einfache Angelegenheit. Drei Kriege hat er während dieser Zeit aktiv miterlebt. Als Freund spüre ich sein Anliegen, den ihm innewohnenden Militärmenschen gänzlich hinter sich zu lassen. Allerdings ist die Diskrepanz (hinsichtlich der Kompetenzen), vom Major eines Regimentes in Israel zum Tellerwascher eines Nebengassen-Kaffees in Newark, kein leichter. Bei politischen Diskusionen merkt man schnell, wie präsent er noch in dem Geschehen drin ist. Oft regt er sich auch über Zeitungsartikel auf. Zum Beispiel bei der Sache mit den gefälschten Pässen einiger Mossad-Angehörigen in Dubai, da hat er sich dermassen aufgeregt. Er wisse genau woher die Pässe kämen, aber aus Tel Aviv ganz bestimmt nicht. Ich musste schmunzeln.

Raphael schreibt gerade an einem Buch, dass von seinem Verleger in etwa vier Sprachen übersetzt werden wird. Es handelt wohl von ganz vielen Erfahrungen seines Lebens und trägt den Titel "If Tears Could Talk". Die erste Zeit als Offizier wurde er mit der Aufgabe betreut, Eltern gefallener Soldaten Bericht zu erstatten. Eine Aufgabe, auf die er überhaupt nicht vorbereitet wurde. Mit dabei waren jeweils ein Rabbi und ein Psychologe. Bereits nach kurzer Zeit konnte er nachts nicht mehr schlafen und musste selber den Psychologen in Anspruch nehmen. Leider hat Raphael neben dem 7-Tage-Job kaum Zeit, sein Buch voranzutreiben. Das Kaffe hat er nämlich nicht aus Spass, sondern er tilgt damit nur die Schulden seines Sohnes, der ihm z.Z. gerade etwas Sorgen bereitet, aber darauf einzugehen wär hier sicher nicht angebracht.

Wir haben ja auch einen Palästinänser in der Geigenbauschule, Shehada ist sein Name. Ein sehr freundlicher Zeitgenosse, der nur so sprüht vor Lebensenergie. Er selber kommt aus Ramallah und hatte auch schon Auseinandersetzungen mit Israelis. Vor einigen Monaten wure ein alter Schulfreund von ihm erschossen. Er erzählte mir, wie sie früher gemeinsam mit ihm die Mauer der West-Bank erklommen und Steine auf die israelischen Fahrzeuge warfen. Trotz der politischen Differenzen liebt auch er Raphaels Suppe und beide wissen um die Hintergründe des Anderen. Eine latente Spannung ist schwach zu spüren, aber im Grunde mögen sie sich. Beide beteuern auch, dass die Leute in Israel und Palästina untereinander keine Problem hätte, wäre da nicht das Unvermögen der Staats-Chefs Frieden zu schliessen. Raphael präzisiert dann noch...
Zu dem Thema gäbe es wohl noch viel zu sagen und auch zu weihnen, aber dies ist ja kein politischer Bog, sondern ein Tagebuch!

Wie dem auch sei, jeder von Euch, der mich einmal in Newark besuchen kommt, wird Raphael kennen lernen und von seiner köstlichen Suppe probieren. Solange es noch so sonnig ist wie jetzt, kann man sogar draussen sitzen ;) also los, worauf wartet ihr?

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen friedvollen Abend.

Euer Gabriel

Mittwoch, 1. September 2010

051 Zeig mir deine Werkstatt und ich sag dir wer du bist...

Liebe Freunde

Gut eine Woche bin ich jetzt schon mit Svea und Salvatore in der neuen Wohnung, aber in unserer Werkstatt sieht es immer noch aus, wie wenn eine Bombe eingeschlagen hätte. Holzstapel versperren den Weg zur Küche, ein halbes Sofa behindert den Zugang zur Werkbank, einige Hobelspäne vermitteln den Eindruck von getaner Arbeit und die Beitel überall schreien nach Ordnung! Da ich ja eine gute Erziehung genossen habe, verspüre ich durchaus den sanften Drang, Ordnung in das Chaos zu bringen. Mein eigenes Zimmer macht sich ja schon ganz gut. Nur das Anlaufen der Fenster bereitet mir bezüglich des lang anhaltenden Winters ein wenig Sorgen. Leider sind unsere Schiebefenster von der ganz alten Sorte - so die typisch amerikanische "bei-mir-ist-leicht-einzubrechen-Sorte" - und die sind etwa so dicht wie die Schmiernippel eines Centurio-Panzers. Zurück zur Werkstatt: heute Morgen sind Svea und ich zum Markt auf der anderen Seite des River Trent gegangen. Jeden Mittwoch findet da die Versteigerung hunderter Bananenschachteln mit zweifelhaftem Inhalt (besonders bezüglich Qualität, denn Quantität war auf dieser Insel noch nie ein Problem) statt. Bei der Gelegenheit mischt sich aber auch immer ein Werkzeugverkäufer unters Volk, bei welchem wir letzte Woche zwei Schraubstöcke bestellt haben. Diese sehen etwas anders aus als die herkömmlichen Schraubstöcke, die man bei uns so kennt, aber sie erfüllen den Zweck allemal. Wir begaben uns also in die Ecke, wo der gute Knabe seine Ware üblicherweise vertreibt und siehe da, sobald er uns erblickte, sagte er trocken:"vices? ... behind the van.." was soviel bedeutet wie "die Schraubstöcke sind hinter dem Lieferwagen". Tatsächlich hatte er sogar drei Prachtexemplare der "alten Schule" mitgebracht. Zwar standen die Guten nur so vor Rost und Dreck, aber wenn man in Anbetracht zieht, dass der Hersteller 1964 die Produktion eingestellte, muss man zugeben, dass derartige Qualität heute zur Rarität verkommen ist. Zwei von denen haben wir gleich mitgenommen für schlappe £45.- (ca. SFR2.- pro kg Stahl (inkl Rost)). Der Transport hat sich dann allerdings als etwas Mühsam erwiesen. Trotzdem, die Aktion wars Wert.

Das heutige Tagesziel ist also definitiv, die Werkstatt auf Vordermann zu bringen um dann einige Arbeiten abzuschliessen, bevor die Schule dann nächsten Montag beginnt. Ich werde mich ja jetzt dem Bau eines Cellos widmen (von ganzem Herzen) und freue mich riesig auf den Prozess. Allerdings ist die Geschichte mit etwas Zeitdruck verbunden. Die Schulleitung hat uns nämlich jetzt aus Spargründen sechs Wochen des regulären Unterrichtes gestrichen. Nichts desto trotz, ich kann nicht klagen, im Gegenteil. Bin mit meiner Neuen Wohnung sehr zufrieden.

Gestern sind unsere Nachbarn in der Wohnung über uns eingezogen. Gemerkt hab ich dies allerdings nur an dem speziellen Lärm, der ein sich auf dem Weg in die Wand befindlichen, behämmerter (im eigentlichen Sinne) Nagel von sich gibt. Später hab ich dann das Pärchen auch zu Gesicht bekommen. Es sind Laurenz aus den Niederlanden und seine neue Freundin deutsch-österreichischer Herkunft. Laurenz beginnt mit seinem zweite Jahr der Geigenbauschule und spricht vorzüglich deutsch. Ausserdem ist er ein guter Geigenspieler. Seine Freundin studiert Medizin in Innsbruck.

Was noch... ah ja: Salva ist wieder auf dem Weg zu Besserung, nachdem er gestern mit Schrecken festgestellt hat, dass sein neuer Vermieter immer noch kein Geld von seinem Konto für die neue Wohnung bezogen hat. Ich hab ihn dann gefragt, ob er eigentlich ein Papier unterschrieben habe, welches seine Agentur zur Abhebung desjenigen berechtige. Er meinte dann nur, dass er schon etwas unterschrieben hätte, aber worum es sich dabei gehandelt hätte wisse er jetzt auch nicht mehr. Aber er versicherte mir, dass es wirklich so ausgesehen hätte wie etwas, was man in solchen Fällen eigentlich immer Unterschreiben müsse. Ich hab ihm daraufhin einen Vortrag über Blanko-Unterschriften gehalten. Nach einem klärenden Telefonat kam heraus, das die Agentur immer noch auf die Überweisung warten würde, da sie natürlich NICHT dazu berechtigt war, Geld von seinem Konto zu beziehen. Wir sind dann zu seiner Bank und haben die Überweisung eingeleitet. Ich denke, dass er dann in ein bis zwei Tagen seine eigenen vier Wände in Empfang nehmen darf.

Und zum Schluss noch dies:
"carpe diem" hat auch im Englischen nichts mit Teppich zu tun und bedeutet abgesehen davon viel mehr "pflücke den Tag" anstatt des umgangssprachlich immer wieder missdeuteten "nutze den Tag".

Mit ganz liebe Grüssen
Euer Gabriel