Liebe Freunde
Mit meinen Zeitangaben bezüglich "nächstem Eintrag" muss ich künftig sorgfältiger umgehen. Jedenfalls bin ich jetzt wieder da und bemühe mich regelmässig etwas aus meinem Leben zu berichten. Nicht etwa dass nichts passiert wäre in der Zwischenzeit, aber ich hatte einfach irgendie nicht so Lust zum schreiben. Eigentlich sollt der heutige Titel ja "Heimreise 2.Teil" lauten, aber unter den zeitlichen Gegebenheiten...naja.
Ich erzähle jetzt trotzdem was da am Flughafen noch so passiert ist, der Vollständigkeit halber.
(Fortsetzung aus Heimreise 1.Teil).... Aber dem war nicht so. Kaum hab ich mich hingesetzt und mein iBook hochgefahren, da setzt sich eine nette Frau um die fünfzig neben mich hin. Ich hatte sie zuvor beim Check-In gesehen und auch bereits im Wartehäuschen in Romanshorn und bei der Fähre. Sie hatte einen enormen Koffer bei sich (natürlich noch vor dem Check in) und eine liebe Ausstrahlung. Irgendwie sind wir ins Gespräch gekommen (das passiert mir ja oft) und haben uns einander vorgestellt. Ihr name war Sue. Sie hat mir erzählt, sie sei gerade auf dem Weg nach London um ihr Hausboot zu verkaufen. Anscheinend hatte Sue dort einige Zeit gelebt und da auch Schiffe auf der Themse herumgefahren. Ich war überrascht und hatte gut zugehört. Ihre Eltern seinen schweiz/kanadischer Herkunft aber sie sei in der Schweiz aufgewachsen (dem Dialekt zufolge in der Ostschweiz). Später ist sie jedoch mit ihrem Partner jahrelang um die Weltmeere gesegelt und hat auch ihre drei Kinder dort zu einem Teil grossgezogen, hat ihnen das Segeln beigebracht, hat sie unterrichtet und ihnen unheimlich viel gezeigt. - Das ist doch der Hammer!! - Eines Tages, als sie gerade vor Hawaii angelegt hatten (ich glaube es war um Weihnachten) sagte ihr Ältester: "Du, chömmer nöd endli mit dere Seglerei ufhöre. Ich möcht id Schuel...". Sie waren schon etwas schockiet und mussten sich dann wohl oder übel darüber Gedanken machen. Sie haben sich dann lange nach einer Insel umgeschaut, auf der möglichst wenig Infrastruktur vorhanden ist. Sie wollten ihre Kinder naturnahe aufziehen und ihre Zeit für sinnvolle Tätigkeiten nutzen. Und natürlich musste da eine Schule sein. Sie hat mir erzählt wie sie sich in Jachtclubs nach den "uninteressantesten Inseln" umgehört hätte, und genau jene haben sie dann erkundschaftet und sich schliesslich auch auf einer niedergelassen.
Ihre Kinder sind heute an Top-Positionen in Marine und Schiffahrt. Sie hat mir gesagt, dass sie ihnen die Studien unmöglich hätte finanzieren können. Dank deren umfangreichen Kenntnissen auf See hat jedoch der Staat die Kosten übernommen.
Sie selber ist sich gerade im Tessin am einrichten. Da muss es im Maggia-Tal irgendwo ein Öko-Dorf geben. Dort hat sie einen Laden wo sie allerlei handgemachte Waren verkauft. Eine Passion von ihr ist auch Menschen in aller Welt die Ur-Kenntnisse der Stoffherstellung wieder beizubringen, also z.B. wie man spinnt, webt oder filzt. Auch wie man aus ein paar wenigen Stöcken aus dem Wald und etwas Schnur einen einfachen Webstuhl bauen kann. Sie hat eine Webpage unter http://www.wool-n-dance.com. Eines ihrer derzeitigen Projekte sind gerade so Riesen-Filz-Teppiche. Den letzten hat sie im Tessin an einer Veranstaltung von heimischen Bauern realisiert.
Plötzlich nimmt sie eine Seife und einige farbige Wollenknäuel hervor und beginnt die Wolle zu zerzauseln. Während wir uns unterhalten wickelt sie die Seife vorsichtig mit dieser Wolle ein. Sie erklärt mir dass sie die Seife jetzt einfilze und ich sie nacher als "seifenspendender Waschlappen" gebrauchen könne. Wenn die Seife aufgebraucht ist, kann ich den Filz aufschneiden und als Handy-Schutz verwenden. Sooo cool!!
Ich hab ihr dann noch ein wenig von meiner Geschichte erzählt und ihr meinen wunderschönen(!) Instrumentenkoffer gezeigt. Die Frau neben ihr (auch gerade kennengelernt) war auch sehr interessert und ich hab ein wenig von der Geigenbauschule geschwärmt.
Wir sassen da also immer noch am Gate rum als plötzlich Alisa auf mich zu kommt. Welche Überraschung! Alisa ist Deutsche, im zweiten Jahr der Geigenbauschule und ist im Allgäu aufgewachsen. Was für ein Zufall! Ich freute mich sehr sie zu sehen. Ich wusste weder dass sie jeweils ab Friedrichshaven fliegt, noch dass sie (wie ich auch) einen Tag zu spät "einrücken" würde. Nachdem sich alle vorgestellt hatten kriegte auch Alisa und die andere Frau ne Seife und Wolle. Einige Kinder haben uns zugesehen und waren ganz angetan. Schliesslich bekamen auch sie eine Seife und das halbe Gate (etwas übertrieben aber eine schöne Vorstellung) war nun am filzen. Keiner hat mehr die Durchsagen von wegen Taschendieben etc. mitbekommen. Alle waren ganz friedlich und froh am Filzen. Was für ein Bild.
Der Flug verstrich dank der fröhlichen Unterhaltung "wie im Flug". In London angekommen passierten wir die Passkontrolle und gelangten zu unserem Gepäck. Alisa und ich verabschiedeten uns herzlich von den beiden Damen. Ich bin sicher, dass ich Sue wieder mal über den Weg laufen werde. Falls jemand von euch zufälliger Weise in diesem Öko-Dorf vorbeischaut, sagt ihr doch einen Gruess von mir, ja?
So, das wars von meiner Rückreise.
Allen ein friedliches Wochenende!
2 Kommentare:
"..aber dem war nicht so!" wer hat sich noch an den letzten satz vom vorgängerblog erinnert??
gabriel, du musstest doch selber nachsehen?! =) gruess usem verschneite SG
hey simon... ja ich ha doch versuecht em Leser es gfühl vo "isch erscht grad passiert" z'vermittle =)
tja... bisch halt en schlaue
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