Die "Newark Choral Society" hat dieses Jahr einmal mehr das Weihnachts Oratorium von Bach lancert. Andres, ein Geigenbauer aus dem 3. Jahr, hat mir gesagt, dass ich da eventuell im Chor mitsingen könnte. Da ich Bach sowieso liebe hab ich mich also um einen Platz im Chor bemüht. Da ich dies erst 3 Tage vor dem Halftern (Trimesterferien ende Oktober) erfahren habe konnte ich erst Mitte November den Proben beiwohnen. Das war allerdings eine kleine herausforderung, da ich erstens das Weihnachtsoratorium noch nie gesungen habe, zweitens der ganze Text auf englisch gesungen wird (übel) und drittens die Aufführung letzten Samstag war!! Mir blieben also noch zwei Chorproben wobei jeweils der zweite Teil der Probe fürs neue Programm verwendet wurde (na toll!). Dann kommt dazu dass ich zur ersten Probe wegen Verschlafens zu spät kam. Peinlich!
Das Orchester besteht zu einem grossen Teil aus Leuten der Geigenbauschule. Ausser ca 3 Leuten sind oder werden alle Streicher zu Geigenbauern ausgebildet. Da sieht man mal wie wir Studenten hier das Kulturelle Angebot massgäblich gestalten.
Unser Dirigent Roger Bryan ist ca 55 Jahre alt und ein richtiger Künstler. Er darf in einem wunderschönen Haus direkt neben der Kirche Hausen und beherrbergt jedes Jahr zwei Studenten. Mit dem Erlös der Miete kann er knapp die Heizkosten für dieses undichte Bijou bezahlen. Er hat etwas, das man wohl als britischen Charme bezeichnet. Während der Proben versteh ich nicht immer alles, aber nach jedem zweiten Satz musste der Sopran oder Alt oder auch beide jeweils leicht errötend kichern, während sich einige die Frisur zurecht tätschelten. Man muss hier vielleicht anbringen, dass ich mit meinem dabeisein das Durchschnittsalter der fünfzigköpfigen "Society" um etwa 10 Jahre nach unten gerissen habe (das war jetzt wohl leicht übertrieben). Jedenfalls hat er sich so die Herzen der Damen im Sturm erobert.
Die Leute da sind wie gesagt alle zwischen 50 und 70 und sehr nett. Sie gehören zu der Generation die, wenn man ihnen eröffnet Schweizer zu sein, mit "oh really, what a beautiful place on earth and so clean!!" reagiert. Ich nichte dann immer ganz stolz und hie und da zeige ich dann auch mein neutrales Schweizer Sackmesser. Aber sie sind wirklich alle sehr zuvorkommend und auf eine angenehme Art reserviert.
die Lustigen Leute
(Dieser Abschnitt wird jetzt sehr technich, aber interessant. Wer will kann ihn ja überspringen.)
Damit ich dieses Oratorium überhaupt einstudieren konnte, bediente ich mich allerlei technischer Hilfsmittel. Zuerst hab ich das Werk als MIDI-Sequenz aus dem Internet geladen. Nach etwas Suchen fand ich eine Datei mit sämtlichen Spuren. Diese hab ich ins LOGIC (mac Musikprogramm) importiert und die Spuren dann mit schön klingenden Instrumenten versehen. Danach hab ich meine Stimme in der Lautstärke etwas angehoben und das ganze als mp3 exportiert und komprimiert. Danach hab ich mir auf meinen iPod-Minimikro geladen und während dem Geigenbauen ständig angehört. Eine sehr effiziente Variante.
Vor genau einer Woche hatten wir dass die erste Probe mit den Streichern. Dies bereits in der Methodist-Church. Die ist recht klein und der Chor musste aus Platzgründen von der Empore aus singen. Das erschwerte das Zusammenspiel erheblich. Man sieht den Dirigenten schlecht, da ist die Schallverzögerung...etc.. es war ein Disaster. Roger benutze sogar ein Wort dass den Chor in eine richtige Revoltenstimmung versetzte. Es sollte den anscheinend Abscheulichen Klang des Soprans zum Ausdruck bringen. Einige Soprane sind dann nach Hause gegangen. hmm....
Für das Konzert brauchte ich dann einen Schwarzen Anzug und das Nette Fräulein aus der ersten Reihe hat mir sogar eine Fliege als Leihgabe gegeben und meinem Nachbar so beiläufig gesagt er solle mir dann zeigen wie man diese ordentlich anzieht. Ich glaube die haben alle gedacht ich sein ein Clochard als sie mich das erste mal gesehen haben. Jedenfalls hab ich mir jetzt einen extrem heruntergesetzten 100% wollenen Anzug ergattert. Beim Schneider musste ich den dann noch anpassen lassen (Taille und Beinlänge).
Das Konzert war dann doch ein voller Erfolg, trotz vieler Krämpfe. Hier hab ich einige Bilder gepostet.
Viel Spass und liebe Grüsse!!
3 Kommentare:
seit wann brauchst du ne brille?? wirst wohl auch nicht mehr jünger =)
gruss
Hey..die Brille steht dir voll gut!!
tja meine brille... hab sie selten an. kan damit besser in die weite sehen. also der optiker meinte es sei überflüssig, aber ich schätze den sehkomfort =)
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