Sonntag, 24. Mai 2009

040 Die erste Fahrradtour

Liebe Freunde

Ob ihr es glaubt oder nicht, hier in England zeigt sich die Mutter Natur gerade von ihrer aller schönsten Seite. Es ist warm wie im Sommer, der immer währende Wind scheint versiegt, die Vögel singen, als ob sie nie was anderes täten (was tun Vögel eigentlich sonst so?), im Park sind überall Hasen mit ihren Jungen zu sehen, es wird gefischt entlang den Kanälen wo sich allerlei Geflügel samt Nachwuchs geschäftig herumtreibt und die Sonne bleibt unverhüllt den ganzen Tag am klarblauen Himmel. Nein das ist kein gestohlenes Gedicht, das hab ich selbst erfunden...haha. Einverstanden, so gut war es jetzt auch wieder nicht, aber es ist immerhin wahr!!

André, ein Deutscher aus dem zweiten Jahr Geigenbau, rief mich heute morgen an und hat gefragt, ob wir ne kleine Fahrradtour machen. Nach kurzer Absprache mit meiner fast-Ehepartner Salvatore - wenn wir diskutieren könnte man meinen wir seien schon 20 Jahre verheiratat - hab ich mich gerne dazu entschlossen, etwas körperlicher Ertüchtigung machzugehen.
Um fünf Uhr haben wir uns also bei André getroffen und sind mal losgezwitschert... einfach mal raus aus dem Dorf, mal nach Rechts, mal nach Links... einwenig auf schmalen Weglein und vorbei an abgebrannten Häusern... und irgendwann... wussten wir nicht mehr wo wir waren und wollten den unliebsamen Geruch der Kohlegrube, die linkerhand von uns lag, los werden. Plötzlich hatte ich die absolut glorreiche Idee, das Rapsfeld, das sich rechterhand von uns erstreckte mit dem Fahrrad zu durchqueren. Die Traktorspuren anerboten sich als potentiell geeignete Routen. Naja.... ... ... aber weil wir schon halb durch waren, dachten wir, jetzt schaffen wirs auch noch bis zum Ende (nein, ich hab da nichts vergessen hinzuschreiben, das war Absicht). Auf der anderen Seite angelangt, fühlten wir uns wie kleine Jungs, die zum ersten Mal ohne das Wissen ihrer Eltern, den verbotenen Wald hintder dem Bach wo nur das schmale Brücklein drüber führt, erkundschafteten. Es war ein herrliches Gefühl. Da hinten war alles so schön (Ja, wir sind immer noch in England). Hohe Hecken mit allerlei Getier und Insekten. Und ein V-förmiger Kanal mit wenig Wasser, der sich entlang dem Rapsfeld seinen Weg bahnte. Etwas entfernt war ein Plateau, vielleicht 20m hoch künstlich aufgeschüttet. Das tönt jetzt nicht nach Viel, aber von da oben konnten wir alles sehen. Auch den Kirchturm von Newark und somit wussten wir wieder wo wir waren. Dies fürte mich dann gleich zur zweiten glorreichen Idee, die ich an diesem Nachmittag hatte und zwar die des Überqueren des Baches zwecks besserer logistischer Möglichkeiten (hinter dem Bach lag ein Radweg, ja, ein Radweg!!). Naja.... ... ... und obwohl ich mir den Fuss verknackst habe, hat sich André dann doch dazu entschlossen auch auf die andere Seite des Baches zu kommen, da Salvatore ja bewiesen hatte, dass es auch eine sicher Variante der Überquerung gab (nein, wiederum kein Textfehler, alles Absicht). Nach einigen Minuten bin ich dann via Brombeerbusch zu Radweg gekrochen, wo mir Idee Nr.3 durch den Kopf schoss.

Das rechte Fussgelenk war ja temporär hinüber aber ein Verwundetennest war Weit und Breit nicht zu sehen. Fraglich auch, ob mir die Briten ad interim in der Royal Army diplomatischen Schutz und Pflege gewährt hätten (Bitte entschuldigt die Analogien. Ich bereite mich auf einen etwaigen WK im Sommer vor.). Also entschloss ich mich den Gummiriemen meines Gepäckträgers dazu zu verwenden, die linke Pedale des Fahrrades mit meinem linken Fuss dauerhaft zu verbinden, um sowohl die Tretbewegung nach unten, als auch die Tretbewegung nach oben zu realisieren. Somit konnte ich den rechten Fuss total entlasten. Dies allerdings sehr zum Nachteil der relativ beschränkten Kapazität meines linken Beines... Irendwie bin ich dann trotzdem noch nach Hause gekommen und hab dann sogleich mit der Erbsensack-aus-der-Gefriertruhe-Kühlterapie angefangen. Trotzdem: Fortbewegen tu ich mich jetzt nur noch im Bürostuhl und lagere mein Bein ständig hoch...

Hoffentlich bin ich bald wieder in der Lage vernünftig zu gehen... und das jetzt wo die Ferien da wären =(

Übrigens: Anregungen zur Genesung nehme ich allergernstens entgegen...

Bis bald
Euer Gabriel

3 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

möchtegern-tarzan :-b geht doch nächstes mal mit dem tandem :-)

Helio hat gesagt…

Gute Besserung!
Erbsen sollen ja gut sein bei Verstauchungen. Zumindest als Eissack.
Ich hab mir vor vier Wochen den Fuss verstaucht und es tut immer noch weh.
Das ist alles nicht sehr aufbauend, ich weiss.
Beim ständigen Blick auf das Wetter im Königreich - seit Du dort weilst - habe ich festgestellt, dass es dort in den vergangenen Wochen stets kühler war, als bei uns. (Vor Ostern war es ja genau umgekehrt) Dafür hat uns heute ein massives, in seiner Heftigkeit wirklich erschreckendes Gewitter heimgesucht.
Bis bald in St. Gallen oder bei mir im Fotostudio? Helio

Gabriel Bolliger hat gesagt…

@ Marta: mach Dich nur lustig, habs verdient. das mit dem Tandem ist vielleicht gar nicht so ne schlechte Idee...

@ Helio: danke für Dein Mitleid. ein wahrer Freund. kann mir vorstellen, dass es Dir schwer fiel, den Fuss die ersten Tage gar nicht zu belasten... aber das würde sich eben lohnen!! habe wieder neue Gerichte ;-) freu mich schon fest auf unser nächstes Zusammentreffen!

liebe Grüsse Euch beiden!