Dienstag, 8. Dezember 2009

044 Ferien in Frankreich (zweiter Teil)

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Der Grenzposten zwischen Deutschland und Frankreich sah aus wie ein VIP-Gerüst an einem Open-Air. Mitten über einer langen, geraden und übersichtlichen Hauptstrasse war also dieser Zoll gebaut und sah von Weitem wirklich aus wie ein Provisorium. Ich hatte ein wenig Bedenken, weil ich doch einiges an Material bei mir hatte. Aber anscheinend sahen wir drei sehr unverdächtig aus und wir passierten problemlos.

Unser nächstes Ziel war also Paris. Die Stadt der Künstler, der Brücken, der Liebe? Ich war noch nie zuvor da. Aber ich war sehr gespannt, was da wohl kommen würde?!
Ich war von der vorherigen Nacht noch ziemlich geschafft und eigentlich ganz froh, nicht fahren zu müssen. Leider ab ich die Batterie mal einige Sekunden abgehängt und somit hat der Radie seinen Code verloren, sprich: wir hatten die ganze Fahrt über keine Musik, keine Nachrichten, nichts. Eigentlich das Rezept für eine Familientherapie, obschon wir ja keine Probleme miteinander hatten. Die Karre ist eigentlich ganz ordentlich gelaufen. Bald fing ich an zu schlafen und wachte immer nur dann auf, wenn wir an einer dieser Autobahn-Zahlstellen anhalten mussten, um zu bezahlen. Da lob ich mir die Schweiz mit ihrem Vignetten-System, wirklich!

Irgendwann morgens um halb zwei - Timo ist immer noch gefahren - hatten wir alle etwas Hunger. Wir fanden bald eine Autobahnraststätte. Tanken mussten wir sowieso und somit haben wir unsere Rostlaube auf diesem grossen und sehr leeren Parkplatz der Raststätte abgestellt. Da wir vorne ja nicht schliessen konnten, mussten wir alle wertvollen Gegenstände entweder mitnehmen oder hinten einschliessen.
Die Raststätte hatte eine Glastür, gefolgt von einer enormen Rolltreppe, die nach oben führte. Dies jedenfalls wäre ja ein verheissungsvolles Omen gewesen. Oben angelangt, befanden wir uns am einen Ende eines Ganges. Links und recht waren so viele Fast-Food-Take-Away-Billig-Ketten-Plunder-Angebote, dass es einem fast den Appetit raubte. Aber da, ein Hoffnungsschimmer! Am anderen Ende des Ganges lächelte uns ein Buffet mit allerlei Salaten und Antipasti entgegen. Nach einem kurzen Blick und etwas Diskutieren, entschlossen wir uns für ein Mal. Raffaele nahm einen Salat vom Buffet, Timo und ich das Rumpsteak. Ja, wir freuten uns auf ein Stück Fleisch. Was dann allerdings daherkam war wahrscheinlich das mit Abstand Übelste, was ich je serviert bekommen habe. Timo versuchte nach dem ersten Bissen gar nicht erst weiter zu machen. Ich hab mich bis zur Mitte durchgekämpft, aber dann... Auch die Pommes-Frittes, eine kulinarisches Desaster! Wir waren recht enttäuscht. Immerhin haben wir uns auf ein paar Tage französische Küche gefreut. Unsere Untersuchungen haben ergeben:
  1. Das gute Stück hat nie einen Tropfen Bratfett von nahem gesehen.
  2. Dieser Happen wurde nicht in den letzten 24h gebraten.
  3. Das Stücklein Rind war vor 10 Minuten vermutlich noch gefroren (aber angebraten!).
  4. Dieses Essen wurde in einem Apparat zubereitet, in dem sich der Teller dreht und das Personal mit einem unscheinbaren "BLING" darauf aufmerksam gemacht wird, dass serviert werden kann.
Timo war fest entschlossen nicht zu zahlen. Ich war zwar auch enttäuscht, aber getraut hätt' ich mich das eher nicht. An der Kasse meine Timo mit starkem Akzent aber unmissverständlich:"Das Fleisch war sehr schlecht, wir bezahlen das nicht!" Die Dame hat nicht einen Bruchteil einer Sekunde interveniert und meine nur:"Sonst haben wir stets Fleisch von guter Qualität." Bezahlt haben wir nur die Getränke und der Salat. Schadenersatz haben wir keinen erhalten aber hungrig waren wir jetzt nicht mehr.

In der selben Nacht erreichten wir Paris. Ich werde erst gar nicht anfangen von Paris zu schwärmen und zu erzählen, nur soviel: wir haben da in einem Kaffee unweit des Eiffelturms nochmals ein Rumpsteak bestellt. Es war himmlisch!
In Paris überkam mich auch plötzlich das Bedürfnis, Gesichter zu fotografieren. Hier ein Auszug davon...


Nach zweieinhalb Tagen Paris suchten wir unseren Van auf, um Richtung Normandie vorzustossen. Wir hatten unser Gefährt etwas unterhalb vom Mont-Martre neben einer Baustelle mit Taxameter parkiert. Wir hatten natürlich kein Ticket. Keine Parkbussen, keine Beschädigung, keine Einbruch, nichts. Es hätte für den Ford keinen sichereren Platz gegeben. Die Fahrt in die Normandie war vor allem gegen Abend etwas Mühsam, da wir noch keine Übernachtungsmöglichkeit ausfindig gemacht hatten. Die Nacht wurde immer dunkler, die Dörfchen immer kleiner und die Anzahl der Lichter darin immer weniger. Unser Fehler war, dass wir erst so gegen Mitternacht angefangen haben herum zu telefonieren. Dabei half uns allerdings unser super GPS, das ich Jakob in Freiburg abgekauft hatte. Ohne dieses währen wir übrigens in Paris mit dem Auto absolut(!) verloren gewesen. Jedenfalls hatte diese eine Funktion, wo man Herbergen im Umkreis darstellen kann. Diese wurden dann gleich nach der Distanz sortiert und waren sogar mit Telefonnummern hinterlegt. Dumm ist dann nur, wenn niemand abnimmt, nicht? Wir sind da in der Nacht herumgefahren, müde, erschöpft, immer noch keine Musik, hunger... kein Internet... Ich hab dann etwas das fünfunddreisstigste Telefon gestartet und einer hat uns dann tatsächlich empfangen. Auch da gäbe es wieder Anekdoten... aber die Zeit reicht einfach nicht, und ich möchte es vermeiden, einen dritten Teil "Frankreich Ferien" zu schreiben.

Am anderen Morgen (es war eher Nachmittag) machten wir uns dann auf nach Mont-Saint-Michel, eines Insel an der Küste der Normandie. Auf der Insel ist eine Kirche und ein kleines Dorf. Pro Einwohner hats da mindestens 4 Restaurants und 3 Souvenir-Läden.




Von einer Bekanntetn aus Paris, wurde uns auch das Küstenstädtchen Honfleur ans Herz gelegt. Auch ein Bezauberndes Städtchen! Die Kulisse erinnert ein wenig an einen Piratenfilm. Bemerkenswert ist auch die Anzahl der Gallerien hier: ganze 81 Kunst-Gallerien befinden sich in diesem winzigen Nest. Wie ich später herausgefunden habe, ist eine Grosstante von mir hier aufgewachsen, "s'Tante Madelaine".



Am Abend sind wir dann weiter nach Calais, wo uns die letzte gemeinsame Nacht erwartete. Am anderen morgen sind zum Hafen hinunter um die Fähre nach Dover zu nehmen. Beide, die britische und die französische Grenzwacht ist in Frankreich stationiert. Die Franzosen haben schon etwas merkwürdig geschaut, als sie bei der Passkontrolle einen englischen Van mit zwei schweizer ID's und einem finnischen Pass vorfinden. Das wollten sie ich natürlich genauer anscheuen und ich zitterte wieder einmal um meine Ladung. Ich musste den Laderaum öffnen. Kaum 2 Sekunden hat die Übung gedauert. Ich hab nicht mal den rostigen zweiten Flügel anständig aufgekriegt, als er bereits abgewunken hat und mir die Dokumente zurückgab. Fünfzig Meter weiter vorn waren die Engländer am Zoll. Das selbe Spiel, aber diesmal mit schusssicheren Vesten (jeder englische Polizist hat immer eine schusssichere Veste an, auch wenn er Parkbussen verteilt) und Hünden. Zusätzlich musste ich in eine Art Unterstand fahren. Die haben da sicher irgendwelche Röntgengeräte drin. Auch hier musste ich den Laderaum öffnen. Doch hier ging's noch schneller. Das beunruhigende war eher die Art und Weise, wie ich die Tür jeweils schliessen musste. Da die Flügel so rostig waren, war ich gezwungen mit einem starken Kick die Türe zu zuschmettern bevor ich dann das Hängeschloss an der an die Blechtür angeschweisste Halterung anbrachte. Die Überfahrt war friedlich. Croissant und Kaffee, zum letzten mal wirklich geniessbar... aaahhh



Das waren sie dann langsam unsere Frankreich-Ferien. In England angekommen, fuhren wir direkt zum Stansted Airport, wo wir Timo wieder nach Hause schickten. Raffaele kam noch ein paar Tage mit nach Newark, aber seine Eindrücke und vor allem der damit verbundene Kulturschock lasse ich an dieser Stelle mal lieber weg.

Bis bald liebe Freunde!

3 Kommentare:

hampi hat gesagt…

sali gabriel also es goht doch me mues di mengmol nu a schupfe ? oder bisch scho bald en engländer ? pass uf I blieb dra gruess v.alt 68.er

simon hat gesagt…

jaja, du hattest lust, gesichter zu fotografieren... =)wer möchte die weiblichen pariser schönheiten auch nicht vor der linse haben =D lg

Gabriel Bolliger hat gesagt…

@ hampi: jojo, schupf nume, du weisch jo dasi da bruche =) haha
@ simon: ja also diese frauengesichter habens mir schon etwas angetan... tja, ist mir schwer zu verdenken oder?
glg