Liebe Freunde
Seit ich hier auf dieser Insel gestrandet bin, begene ich den merkwürdigsten Gestalten. Eine von ihnen ist sicher mein inzwischen lieb gewonnener Freund, Raphael. Er ist Jude und führt hier im Dorfkern ein kleines Kaffee namens "Delicious". Salva hat mich vor etwa einem Jahr das erste Mal zu ihm geschleppt, um eine seiner (inzwischen legendären) Suppen zu probieren - ja ich weiss, ein Kaffee, aber er verkauft auch Suppen. Wirklich ein lustiger Vogel dachte ich, so ein wenig gestresst rennt er da hinter dem Tresen auf und ab und murmeld allerlei Kauderwelsch zusammen. Seine linguistischen Künste sind mir bald aufgefallen. Mit Salva unterhält er sich auf italienisch, mit mir auf deutsch, mit seinen Kindern spricht er hebräisch, mit den Kunden englisch (ausser wenn er explizit Wert darauf legt, dass sie seine Worte nicht verstehen). Raphael möchte ich diesen Eintrag widmen, denn ich seh ihn doch fast jeden Tag und er gehört schon fast zu meiner "britischen Familie".
Gewonnen hat mich dieser kleine, über sechzig jährige Mann definitiv mit seiner vorzüglichen Suppe, seinem zuckersüssen Charme und dem damit meist in Verbindung stehenden messerscharfen, schwarzen Humor. Zu seinem Werdegang muss man wissen, dass er in Europa geboren wurde, seine Eltern aber im zweiten Weltkrieg via Portugal nach Israel flüchteten. In relativ armen Verhältnissen sei er aufgewachsen, seine Eltern hätten kein Geld gehabt, ihn auf eine bessere Schule zu schicken, dabei wäre er so gerne Dirigent geworden. Als junger Mann ging er dann zur Armee, um den obligatorischen Dienst zu leisten. Seine Vorgesetzten merkten anscheinend bald, dass er etwas in der Birne hatte und haben ihm eine Militärlaufbahn vorgeschlagen, die er dankend ablehnte. Das einzig Atraktive daran wäre gewesen, dass er während der Ausbildung ein Studium im Ausland hätte absolvieren können. Aus diesem Grund nahm er dann nach reiflicher Überlegung das Angebot doch an. Zu seinem grossen Unvergnügen (gibts dies Wort überhaupt?) war aber nur noch ein Studienplatz in Berlin frei (Unvergnügen deshalb, weil er eigentlich ungern in das Land wollte, ausdem seine Familie Flüchten musste), wo er dann Politwissenschaften und Geschichte studierte. Der Literatur und der Musik war und ist er immer noch sehr angetan. Nicht selten rezitiert er Auszüge aus irgendwelchen Stücken der deutsch-literarischen Hochkonjunktur. Auch vieler Anekdoten mit und ohne Berühmtheiten weiss er sich situationsgerecht zu bedienen und erfreut dabei sein Kaffee-Publikum.
Die Jahre des Lernens und Lebens schloss er dann mit seiner Doktorarbeit ab und kehrte wieder nach Israel zurück. Dort musste er sich dann für 25 Jahre Militärdienst verpflichten. Eine nicht ganz einfache Angelegenheit. Drei Kriege hat er während dieser Zeit aktiv miterlebt. Als Freund spüre ich sein Anliegen, den ihm innewohnenden Militärmenschen gänzlich hinter sich zu lassen. Allerdings ist die Diskrepanz (hinsichtlich der Kompetenzen), vom Major eines Regimentes in Israel zum Tellerwascher eines Nebengassen-Kaffees in Newark, kein leichter. Bei politischen Diskusionen merkt man schnell, wie präsent er noch in dem Geschehen drin ist. Oft regt er sich auch über Zeitungsartikel auf. Zum Beispiel bei der Sache mit den gefälschten Pässen einiger Mossad-Angehörigen in Dubai, da hat er sich dermassen aufgeregt. Er wisse genau woher die Pässe kämen, aber aus Tel Aviv ganz bestimmt nicht. Ich musste schmunzeln.
Raphael schreibt gerade an einem Buch, dass von seinem Verleger in etwa vier Sprachen übersetzt werden wird. Es handelt wohl von ganz vielen Erfahrungen seines Lebens und trägt den Titel "If Tears Could Talk". Die erste Zeit als Offizier wurde er mit der Aufgabe betreut, Eltern gefallener Soldaten Bericht zu erstatten. Eine Aufgabe, auf die er überhaupt nicht vorbereitet wurde. Mit dabei waren jeweils ein Rabbi und ein Psychologe. Bereits nach kurzer Zeit konnte er nachts nicht mehr schlafen und musste selber den Psychologen in Anspruch nehmen. Leider hat Raphael neben dem 7-Tage-Job kaum Zeit, sein Buch voranzutreiben. Das Kaffe hat er nämlich nicht aus Spass, sondern er tilgt damit nur die Schulden seines Sohnes, der ihm z.Z. gerade etwas Sorgen bereitet, aber darauf einzugehen wär hier sicher nicht angebracht.
Wir haben ja auch einen Palästinänser in der Geigenbauschule, Shehada ist sein Name. Ein sehr freundlicher Zeitgenosse, der nur so sprüht vor Lebensenergie. Er selber kommt aus Ramallah und hatte auch schon Auseinandersetzungen mit Israelis. Vor einigen Monaten wure ein alter Schulfreund von ihm erschossen. Er erzählte mir, wie sie früher gemeinsam mit ihm die Mauer der West-Bank erklommen und Steine auf die israelischen Fahrzeuge warfen. Trotz der politischen Differenzen liebt auch er Raphaels Suppe und beide wissen um die Hintergründe des Anderen. Eine latente Spannung ist schwach zu spüren, aber im Grunde mögen sie sich. Beide beteuern auch, dass die Leute in Israel und Palästina untereinander keine Problem hätte, wäre da nicht das Unvermögen der Staats-Chefs Frieden zu schliessen. Raphael präzisiert dann noch...
Zu dem Thema gäbe es wohl noch viel zu sagen und auch zu weihnen, aber dies ist ja kein politischer Bog, sondern ein Tagebuch!
Wie dem auch sei, jeder von Euch, der mich einmal in Newark besuchen kommt, wird Raphael kennen lernen und von seiner köstlichen Suppe probieren. Solange es noch so sonnig ist wie jetzt, kann man sogar draussen sitzen ;) also los, worauf wartet ihr?
In diesem Sinne wünsche ich Euch einen friedvollen Abend.
Euer Gabriel
Donnerstag, 2. September 2010
Mittwoch, 1. September 2010
051 Zeig mir deine Werkstatt und ich sag dir wer du bist...
Liebe Freunde
Gut eine Woche bin ich jetzt schon mit Svea und Salvatore in der neuen Wohnung, aber in unserer Werkstatt sieht es immer noch aus, wie wenn eine Bombe eingeschlagen hätte. Holzstapel versperren den Weg zur Küche, ein halbes Sofa behindert den Zugang zur Werkbank, einige Hobelspäne vermitteln den Eindruck von getaner Arbeit und die Beitel überall schreien nach Ordnung! Da ich ja eine gute Erziehung genossen habe, verspüre ich durchaus den sanften Drang, Ordnung in das Chaos zu bringen. Mein eigenes Zimmer macht sich ja schon ganz gut. Nur das Anlaufen der Fenster bereitet mir bezüglich des lang anhaltenden Winters ein wenig Sorgen. Leider sind unsere Schiebefenster von der ganz alten Sorte - so die typisch amerikanische "bei-mir-ist-leicht-einzubrechen-Sorte" - und die sind etwa so dicht wie die Schmiernippel eines Centurio-Panzers. Zurück zur Werkstatt: heute Morgen sind Svea und ich zum Markt auf der anderen Seite des River Trent gegangen. Jeden Mittwoch findet da die Versteigerung hunderter Bananenschachteln mit zweifelhaftem Inhalt (besonders bezüglich Qualität, denn Quantität war auf dieser Insel noch nie ein Problem) statt. Bei der Gelegenheit mischt sich aber auch immer ein Werkzeugverkäufer unters Volk, bei welchem wir letzte Woche zwei Schraubstöcke bestellt haben. Diese sehen etwas anders aus als die herkömmlichen Schraubstöcke, die man bei uns so kennt, aber sie erfüllen den Zweck allemal. Wir begaben uns also in die Ecke, wo der gute Knabe seine Ware üblicherweise vertreibt und siehe da, sobald er uns erblickte, sagte er trocken:"vices? ... behind the van.." was soviel bedeutet wie "die Schraubstöcke sind hinter dem Lieferwagen". Tatsächlich hatte er sogar drei Prachtexemplare der "alten Schule" mitgebracht. Zwar standen die Guten nur so vor Rost und Dreck, aber wenn man in Anbetracht zieht, dass der Hersteller 1964 die Produktion eingestellte, muss man zugeben, dass derartige Qualität heute zur Rarität verkommen ist. Zwei von denen haben wir gleich mitgenommen für schlappe £45.- (ca. SFR2.- pro kg Stahl (inkl Rost)). Der Transport hat sich dann allerdings als etwas Mühsam erwiesen. Trotzdem, die Aktion wars Wert.
Das heutige Tagesziel ist also definitiv, die Werkstatt auf Vordermann zu bringen um dann einige Arbeiten abzuschliessen, bevor die Schule dann nächsten Montag beginnt. Ich werde mich ja jetzt dem Bau eines Cellos widmen (von ganzem Herzen) und freue mich riesig auf den Prozess. Allerdings ist die Geschichte mit etwas Zeitdruck verbunden. Die Schulleitung hat uns nämlich jetzt aus Spargründen sechs Wochen des regulären Unterrichtes gestrichen. Nichts desto trotz, ich kann nicht klagen, im Gegenteil. Bin mit meiner Neuen Wohnung sehr zufrieden.
Gestern sind unsere Nachbarn in der Wohnung über uns eingezogen. Gemerkt hab ich dies allerdings nur an dem speziellen Lärm, der ein sich auf dem Weg in die Wand befindlichen, behämmerter (im eigentlichen Sinne) Nagel von sich gibt. Später hab ich dann das Pärchen auch zu Gesicht bekommen. Es sind Laurenz aus den Niederlanden und seine neue Freundin deutsch-österreichischer Herkunft. Laurenz beginnt mit seinem zweite Jahr der Geigenbauschule und spricht vorzüglich deutsch. Ausserdem ist er ein guter Geigenspieler. Seine Freundin studiert Medizin in Innsbruck.
Was noch... ah ja: Salva ist wieder auf dem Weg zu Besserung, nachdem er gestern mit Schrecken festgestellt hat, dass sein neuer Vermieter immer noch kein Geld von seinem Konto für die neue Wohnung bezogen hat. Ich hab ihn dann gefragt, ob er eigentlich ein Papier unterschrieben habe, welches seine Agentur zur Abhebung desjenigen berechtige. Er meinte dann nur, dass er schon etwas unterschrieben hätte, aber worum es sich dabei gehandelt hätte wisse er jetzt auch nicht mehr. Aber er versicherte mir, dass es wirklich so ausgesehen hätte wie etwas, was man in solchen Fällen eigentlich immer Unterschreiben müsse. Ich hab ihm daraufhin einen Vortrag über Blanko-Unterschriften gehalten. Nach einem klärenden Telefonat kam heraus, das die Agentur immer noch auf die Überweisung warten würde, da sie natürlich NICHT dazu berechtigt war, Geld von seinem Konto zu beziehen. Wir sind dann zu seiner Bank und haben die Überweisung eingeleitet. Ich denke, dass er dann in ein bis zwei Tagen seine eigenen vier Wände in Empfang nehmen darf.
Und zum Schluss noch dies:
"carpe diem" hat auch im Englischen nichts mit Teppich zu tun und bedeutet abgesehen davon viel mehr "pflücke den Tag" anstatt des umgangssprachlich immer wieder missdeuteten "nutze den Tag".
Mit ganz liebe Grüssen
Euer Gabriel
Gut eine Woche bin ich jetzt schon mit Svea und Salvatore in der neuen Wohnung, aber in unserer Werkstatt sieht es immer noch aus, wie wenn eine Bombe eingeschlagen hätte. Holzstapel versperren den Weg zur Küche, ein halbes Sofa behindert den Zugang zur Werkbank, einige Hobelspäne vermitteln den Eindruck von getaner Arbeit und die Beitel überall schreien nach Ordnung! Da ich ja eine gute Erziehung genossen habe, verspüre ich durchaus den sanften Drang, Ordnung in das Chaos zu bringen. Mein eigenes Zimmer macht sich ja schon ganz gut. Nur das Anlaufen der Fenster bereitet mir bezüglich des lang anhaltenden Winters ein wenig Sorgen. Leider sind unsere Schiebefenster von der ganz alten Sorte - so die typisch amerikanische "bei-mir-ist-leicht-einzubrechen-Sorte" - und die sind etwa so dicht wie die Schmiernippel eines Centurio-Panzers. Zurück zur Werkstatt: heute Morgen sind Svea und ich zum Markt auf der anderen Seite des River Trent gegangen. Jeden Mittwoch findet da die Versteigerung hunderter Bananenschachteln mit zweifelhaftem Inhalt (besonders bezüglich Qualität, denn Quantität war auf dieser Insel noch nie ein Problem) statt. Bei der Gelegenheit mischt sich aber auch immer ein Werkzeugverkäufer unters Volk, bei welchem wir letzte Woche zwei Schraubstöcke bestellt haben. Diese sehen etwas anders aus als die herkömmlichen Schraubstöcke, die man bei uns so kennt, aber sie erfüllen den Zweck allemal. Wir begaben uns also in die Ecke, wo der gute Knabe seine Ware üblicherweise vertreibt und siehe da, sobald er uns erblickte, sagte er trocken:"vices? ... behind the van.." was soviel bedeutet wie "die Schraubstöcke sind hinter dem Lieferwagen". Tatsächlich hatte er sogar drei Prachtexemplare der "alten Schule" mitgebracht. Zwar standen die Guten nur so vor Rost und Dreck, aber wenn man in Anbetracht zieht, dass der Hersteller 1964 die Produktion eingestellte, muss man zugeben, dass derartige Qualität heute zur Rarität verkommen ist. Zwei von denen haben wir gleich mitgenommen für schlappe £45.- (ca. SFR2.- pro kg Stahl (inkl Rost)). Der Transport hat sich dann allerdings als etwas Mühsam erwiesen. Trotzdem, die Aktion wars Wert.
Das heutige Tagesziel ist also definitiv, die Werkstatt auf Vordermann zu bringen um dann einige Arbeiten abzuschliessen, bevor die Schule dann nächsten Montag beginnt. Ich werde mich ja jetzt dem Bau eines Cellos widmen (von ganzem Herzen) und freue mich riesig auf den Prozess. Allerdings ist die Geschichte mit etwas Zeitdruck verbunden. Die Schulleitung hat uns nämlich jetzt aus Spargründen sechs Wochen des regulären Unterrichtes gestrichen. Nichts desto trotz, ich kann nicht klagen, im Gegenteil. Bin mit meiner Neuen Wohnung sehr zufrieden.
Gestern sind unsere Nachbarn in der Wohnung über uns eingezogen. Gemerkt hab ich dies allerdings nur an dem speziellen Lärm, der ein sich auf dem Weg in die Wand befindlichen, behämmerter (im eigentlichen Sinne) Nagel von sich gibt. Später hab ich dann das Pärchen auch zu Gesicht bekommen. Es sind Laurenz aus den Niederlanden und seine neue Freundin deutsch-österreichischer Herkunft. Laurenz beginnt mit seinem zweite Jahr der Geigenbauschule und spricht vorzüglich deutsch. Ausserdem ist er ein guter Geigenspieler. Seine Freundin studiert Medizin in Innsbruck.
Was noch... ah ja: Salva ist wieder auf dem Weg zu Besserung, nachdem er gestern mit Schrecken festgestellt hat, dass sein neuer Vermieter immer noch kein Geld von seinem Konto für die neue Wohnung bezogen hat. Ich hab ihn dann gefragt, ob er eigentlich ein Papier unterschrieben habe, welches seine Agentur zur Abhebung desjenigen berechtige. Er meinte dann nur, dass er schon etwas unterschrieben hätte, aber worum es sich dabei gehandelt hätte wisse er jetzt auch nicht mehr. Aber er versicherte mir, dass es wirklich so ausgesehen hätte wie etwas, was man in solchen Fällen eigentlich immer Unterschreiben müsse. Ich hab ihm daraufhin einen Vortrag über Blanko-Unterschriften gehalten. Nach einem klärenden Telefonat kam heraus, das die Agentur immer noch auf die Überweisung warten würde, da sie natürlich NICHT dazu berechtigt war, Geld von seinem Konto zu beziehen. Wir sind dann zu seiner Bank und haben die Überweisung eingeleitet. Ich denke, dass er dann in ein bis zwei Tagen seine eigenen vier Wände in Empfang nehmen darf.
Und zum Schluss noch dies:
"carpe diem" hat auch im Englischen nichts mit Teppich zu tun und bedeutet abgesehen davon viel mehr "pflücke den Tag" anstatt des umgangssprachlich immer wieder missdeuteten "nutze den Tag".
Mit ganz liebe Grüssen
Euer Gabriel
Dienstag, 31. August 2010
050 Neuanfang
Liebe Freunde
Nach einer längeren Sendepause melde ich mich jetzt wieder zurück aus der Redaktion Newark, diesmal aber mit neuer Adresse. Fall Ihr mir Post schicken wollt (nicht dass Ihr das müsstet, aber man weiss ja nie), benützt bitte ab sofort folgende Adresse:
Mr G Bolliger
29 Carter Gate, Flat 1
Newark, Notts
NG24 1UA
ENGALND
So, was gibt es Neues? Also, ich wohne jetzt in der Altstadt unseres 20'000 Seelen-Dörfchens. Nach langem Hin und Her haben Salva und ich uns entschieden, wohntechnisch getrennte Wege zu gehen. Natürlich sind wir uns immer noch sehr Nahe und beste Freunde, aber nach zwei Jahren kann man sich da schon auch mal recht auf die Nerven gehen. Abgesehen davon tut ein wenig Abwechslung einfach auch gut und der breit gefächerte Austausch ist mir doch sehr wichtig. So wohne ich jetzt also in einer gemütlichen und hellen 3-Zimmerwohnung zusammen mit einem sehr jungen, norddeutschen Mädchen namens Svea, die nächste Woche hier ihr Geigenbau-Studium beginnt. Ich lernte sie im Frühling während den Interviews kennen. Auf dem elektronischen Weg haben wir uns dann ein wenig besser kennen gelernt und sind zum Schluss gekommen, dass wir zusammenziehen wollen. Seit gut einer Woche sind wir jetzt also in dieser Wohnung und richten uns ein. Salvatore weilt auch noch unter uns, denn er hat Henry auch verlassen und damit er nicht unter einer der ohnehin schon gut besetzten Brücken von Newark hausen muss, haben wir ihm kurzerhand Asyl angeboten. So wie es aussieht, hat er aber jetzt eine gediegene Wohnung in Aussicht.
Die Reise nach Newark war wieder einmal recht abenteuerlich. Das absolute Highlight war vermutlich der geplatzte Reifen auf der belgischen Autobahn nachts um 0200 mit anschliessender Demontage desjenigen und der fachgerechten Inbetriebsetzung des völlig unterbedruckten (als Pendant zu unterbelichtet) Ersatzrades bei totaler Dunkelheit...na dann PROST!! Nach einstündiger Suche nach Druckluft, hat uns dann ein geselliger LKW-Fahrer seine Hilfe angeboten und so erwischten wir gerade noch die am Vortag reservierte 0800-Uhr-Fähre von Ostende nach Ramsgate. Nein, ich muss sagen, wir hatten grosses Glück. Wäre der Vorderreifen geplatzt, hätte es ein böses Ende mit uns nehmen können...
So, ich geh jetzt mal auf den Marktplatz und versuch mir etwas an die Miete dazu zu verdienen. Bis ganz bald wieder...
Euer Kolumnist
Gabriel
Freitag, 14. Mai 2010
049 Die letzten Wochen
Liebe Freunde
Es ist kaum zu glauben, aber in wenigen Wochen werde ich hier bereits mein zweites Jahr beendet haben. Das bedeutet einerseits, dass die restlichen Reparaturen abgeschlossen, und die Assignments kompletiert werden müssen. Andererseits bedeutet es allerdings auch, dass unsere Drittjährler jetzt an ihrem Abschlusstest sitzen. Sie haben fünf Wochen Zeit, um in vollster Konzentration eine Geige zu bauen. Irgendwie ist dieser Test aber nicht so voll obligatorisch und so haben sich dieses Jahr einige entschieden, den Abschlusstest nicht zu machen, was ich persönlich für schade und dumm halte. Wann werden diejenigen das nächste Mal die Zeit bekommen, voll konzentriert und ohne störende Einflüsse eine Geige zu bauen. Vermutlich haben viele einfach Angst davor. Trotzdem versteh ich's nicht wirklich. Das wäre doch eine einmalige Chance auch sich selbst zu zeigen, wie gut man ist. Sogar Beare persönlich kommt am Ende der Tests nach Newark und stuft die Geigen nach einem Raster ein. Eine Art Qualifikation.
Was mir aber in diesen Tagen besonders bewusst wird, ist, dass ich in einem Jahr selber an dieser Stelle stehen werde. Ab September werden die Jungen Studenten uns fragen kommen und erwarten, dass wir alles wissen. Sie werden - wie ich damals - denken: boah... die sind schon weit, die wissen schon soo viel... naja, das wird sich ja dann wohl herausstellen.
Die andere Frage, die mich natürlicherweise beschäftigt, ist die Frage der Zukunft. Wohin werd ich in einem Jahr gehen? Welche Möglichkeiten werden sich mir eröffnen? Wie sieht meine Zukunft aus? Meine Mitstudenten, die gearde in der Prüfung sind, haben sich sicher auch damit beschäftigt. Einige haben bereits einen Job, andere warten auf eine Antwort. Wieder andere haben überhaupt keinen Plan. Aber allgemein ist eine sanfte "Abschiedsstimmung" da, die sich ganz vorsichtig manifestiert. Man spürt im Gespräch mit dem Einzelnen, dass es doch irgendwie schmerzt, diesen Ort der Geistigen Zugehörigkeit zu verlassen um in die Welt hinaus zu ziehen. All die guten Freunde, die Bekanntschaften, vielleicht Beziehungen... zum Glück haben wir heutzutage mit den elektronischen Medien die Möglichkeit, sehr schnell un unproblematisch in Verbindung zu bleiben. Und trotzdem, ein weiterer Abschied steht vor der Tür...
Ich bin da nach meiner Rückkehr nach Newark kurzfristig in ein Orchesterprojekt eingetreten. Wir spielen morgen Abend ein italienisches Programm von Vivaldi über Monteverdi bis hin zu Pergolesi und Albinoni (unten findet Ihr die Stücke zum anhören). Da ich in diesem Projekt Bratsche spiele und aber vor 2 Wochen an einer Hochzeit Geige gespielt habe, bin ich grad mit dem Bratschenschlüssel etwas auf Kriegsfuss... aber es wird schon! Gestern war die Hauptprobe mit dem Chor. Die Newark Choral Society hat dieses Projekt aufgezogen und zahlt auch die Musiker. Jeder bekommt £30, immerhin. Es macht ja auch Freude. Ausser eben gestern an der Hauptprobe, da hat der Chor in Monteverdis "Beatus Vir" total versagt. einmal wars so schlimm, dass mir ein lauter Lacher abging (diejenigen, die mich kennen wissen ja wi das etwas tönt!). Es war mir nachher etwas peinlich und vielleicht bin ich sogar rot geworden. Jedenfalls hats dann dere Dirigent auch eingesehen und uns nach einer knappen Stunde Proben nach Hause geschickt. Er müsse das mit dem Chor noch einmal anschauen. Nimmt mich mal wunder, wie es morgen tönen wird. Das Programm wäre ja richtig schön!
Sodeli, meine Mittagspause ist bald zu Ende und ich hab noch einiges zu erledigen. Wünsche Euch allen ein schönen Wochenende und für die, die gerne ans Konzert kommen wollen, ich hab noch Freikarten =) hihi
Euer Gabriel
Sonntag, 28. März 2010
048 Eine weitere Begegnung am Flughafe
Liebe Freunde
Eigentlich verdienten diese Begegnungen bereits einen eigenen Blog. Was ich immer alles erlebe an diesen Stätten der Mobilität... unglaublich...
Mein Flug nach London war auf 10:05 Uhr ab Friedrichshafen angesetzt. Da ich noch eine Tasche aufgeben musste (eigentlich einen iMac) musste ich etwas früher am Check-In sein, was bedeutet, dass ich die Fähre genug früh erwischen muss, was wiederum bedeutet, dass die Nacht zuvor mit Sicherheit recht kurz sein würde. Wie dem auch sei... um 0900 reihte ich mich in gewohnter Frische am "Röntgen-Band" des Flughafens ein. Irgendwie war die Situation angespannter als sonst. Viel Mehr Personal, veil mehr Polizei. Bereits zum zweiten mal haben die Meinen Rucksack mit einem neuen Verfahren auf Sprengstoff untersucht... seh ich denn so gefährlich aus? Vielleicht sollte ich einfach mal die Haare schneiden oder den Bart weg machen, naja...
Jedenfalls durfte ich noch nicht zum Gate, da der Flug nach Alicante Vorrang hatte. So machte ich es mir halt in der Vor-Lounge bequem. Nach 20 Minuten war dann auch dieser abgefertigt und wir durften zum Gate "vorstossen". Seit kurzem machen die da jetzt auch noch Handgepäcks Grösse- und Gewichts-Kontrolle. Das bedeutet erneutes Anstehen. Von England her kann ich das ja jetzt ganz prima. Da ist mir plötzlich wieder dieses Gesicht aufgefallen, das ich auf der Fähre am frühen Morgen schon einmal gesehen habe. Als ich dann den Schweizerpass in ihrer Hand sah, wagte ich sie anzusprechen und fragte ob sie auch nach London fahre. Sie erklärte mir, dass sie seit gut eineinhalb Jahren da mit ihrem langjährigen Freund lebe und es eigentlich sehr geniesse. Zur Hochzeit ihrer jüngeren Schwester sei sie zu Hause gewesen und deshalb auch recht müde, weshalb sie wohl den Flug zum Schlafen nützen werde. Auch ich freute mich auf ein Extrastündchen des Schlafes. Denkste. Wir haben die ganze Zeit über angeregt diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht und es war so witzig mal mit jemandem zu reden, der im Bezug auf England ganz spezifisch gleiche Erfahrungen macht wie ich. Ich versuche mich gerade an irgendetwas zu erinnern, aber... dabei gab es mindestens 15 Dinge wo ich so geschmunzelt habe... merkwürdig...
Ihr Freund ist Designer und hat eine Arbeit, die ihm sehr viel Freude bereitet obwohl die Bezahlung mässig ist. Sie selber ist eigentlich Lehrerin, arbeitet da aber in einem Kaffe und kennt mittlerweile das ganze Dorf. Die haben ihr zu ihrem Geburtstag sogar ganz viele Geschenke gebracht und sind allem Anschein nach richtig lieb. Ich glaube, was sie erlebt entspricht in etwa dem Bild des England, welches ältere Leute in der Schweiz haben. Herzliche Leute, etwas altmodisch, gute Manieren, schönes Porzellan... Gute zu wissen, dass es diese Seite des Landes auch noch gibt!
Sie hat mich eingeladen sie beide zu besuchen. Da sie bereits ende April gedenken, wieder in die Schweiz zu ziehen, muss ich mich sputen. Mein Van braucht ja wieder mal etwas Bewegung nach diesem langen Winter...
So liebe Freunde, ich wünsche Euch alles Gute und bis zum nächsten Mal...
Euer Gabriel
Samstag, 13. Februar 2010
047 Die Geschichte eines Freundes
Liebe Freunde
Der folgende Abschnitt ist nichts für schwache Nerven dafür um so näher am Leben. Er handelt von meinem Mitbewohner Johnny, der etwas kleiner ist als ich, kal rasiert, sehr kräftig und reich geschmückt mit Tätowierungen. Die meisten Leute wären anhand seiner Erscheinung wohl voreingenommen. Zum folgenden Abschnitt gehört diese Musik gespielt, aufgenommen und auf youtube gepostet von meinem anderen Mitbewohner Salvatore.
Seit über 11 Monate wohnen Salvatore und ich nun mit Johnny zusammen, aber heute Abend ist etwas sehr Berührendes passiert. Irgendwie sind wir alle im Wohnzimmer zusammen gekommen und haben uns ein wenig vom Tag erzählt. Salva und ich im Trainer, Johnny im roten Morgenrock. Er war gerade einige Stunden im Pub und hat das Rugby-Spiel "Schottland gegen Wales" live mitverfolgt. Johnny hat früher selber sehr aktiv Rugby gespielt und da er Waliser ist, musste er natürlich mit samt der dazugehörenden roten Tracht dem Spiel beiwohnen. Der rote Morgenrock war wohl der entspannende Höhepunkt nach dem grandiosen Sieg über die Schotten. Nach einigem Hin und Her wurden wir etwas still. Salva setzt sich ans Klavier und fängt an das Lied "The Lonely Man" zu spielen (siehe oben). Ich hab mir grade noch eine Hand voll Popkorn aus der Pfanne gegrabscht, die Salvatore frisch aufgesetzt hatte, als ich plötzlich merke, wie eine tiefe Trauer über Johnny kommt. Nun, er ist nicht gerade der Typ, der sich Gefühle leicht anmerken lässt, geschweige denn zeigt, aber dieses Lied muss ihn irgendwie berührt haben. Ohne etwas zu sagen bin ich aufgestanden, über die Bankreihe um den Tisch gegangen und hab mich bei Johnny hingesetzt und ihn ein wenig umarmt. Ich realisiere dass er weint. Salva hat friedlich weitergespielt und bis zum Ende des Liedes eigentlich gar nicht realisiert was passiert war. Etwas verstört hat er sich dann zu uns hingesetzt und meinte sinngemäss etwas wie:"Hey, Wales hat doch gewonnen...?!". Salva sind derartige Umstände eher unangenehm und deswegen überzeugten wir ihn, das Lied nochmals zu spielen. Nach etwa dem dritten Durchgang öffnete sich Johnny plötzlich und erzählte:
"Seit ich vier Jahre alt bin, hab ich vom Vater regelmässig Schläge bekommen, fünf Mal die Woche. An den Wochenenden gabs ne extra Portion. Ich habe jetzt noch Narben davon an den Beinen. In der Schule hab ich bei Auseinandersetzungen immer alles eingesteckt und mich nie gewehrt. Die Haue der Mitschüler waren sowieso nichts gegenüber der Prügel meines Vaters. Und wenn ich mich in der Schule gewehrt hätte und dies die Schulleitung mitbekommen hätte, wäre es zu Hause nur noch schlimmer geworden. Als ich sieben Jahre alt war, steckten sie mich in ein Heim (Social-Care). Mit 14 Jahren durfte ich wieder nach Hause. Mein Vater war damals arbeitslos und ich habe gearbeitet so viel ich nur konnte. Ich habe Post ausgertragen, Abends in den Pubs die Flaschen eingesammelt und entsorgt, mit dem Eis-Mobil herumgezogen. Regelmässig brachte ich £6 am Tag nach Hause, während mein Vater nur £3 Arbeitslosengeld erhielt. Dies sorgte wiederum für viele Konflikte. Und wieder gab es Prügel. Aber diesmal habe ich gewonnen. Ich habe meinen Vater zu Boden geschlagen, zum ersten Mal. Danach ging ich zur Schule. Ein Mitschüler rempelte mich an und zum ersten Mal wehrte ich mich auch da. Ich schlug ihn Spitalreif. Die Behörden sagten ich sei krank und steckten mich wieder in ein Heim, dabei ging ich so gerne zur Schule. Ich war gut in Mathe und Englisch.
- Als ich 4 oder 5 Jahre alt war, und mich Mutter auch nach langer Suche nicht finden konnte, wusste sie, dass ich in der Schule war. -
Sie brachten mich zusammen mit kriminellen und Straftätern. Eines Nachts wachte ich auf und hörte ein Tropfen. Ich stieg aus meinem Bett, rutschte aus und fiel zu Boden. Ich versuchte aufzustehen, aber es war alles so glitschig. Plötzlich begriff ich, dass ich in Blut badete. Mein Bettnachbar hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten. Voller Panik rannte ich zum Vorsteher und klopfte an seine Tür. Als der mich blutüberströmt sah, steckte er mich sogleich in eine Zelle. Die glaubten ich hätte ihn umgebracht. Zwölf Stunden war ich alleine in dieser Zelle, mein überströmt mit dem Blut meines Bettnachbars, der kurz zuvor seine beiden Eltern umgebracht hatte. Endlich hat jemand festgestellt, dass es Selbstmord war und ich konnte duschen gehen. Kurz darauf ist meine Grossmutter gestorben. Und wenn ich dieses Lied höre (Klavier) dann kommen mir all diese Ereignisse immer wieder hoch, bitte entschuldigt Jungs..."
Dies alles erzählte er stockend, zum Teil unter Tränen und fügte hinzu:
"In meiner ganzen Schulzeit habe ich 16 Mal die Schule gewechselt. Nie hatte es mit meinen schulischen Leistungen zu tun gehabt, nie mit der Disziplin, aber mein Verhalten...
Als mein Vater starb, besuchte ich vor der Beerdigung den Sarg und verweilte da zwei Stunden. Mir kam es vor wie zehn Minuten. Ich muss wohl hunderte von Wieso- und Warum-Fragen gestellt haben..."
Weiter sagte er, dass laut Statistik rund ein Drittel der Jugendlichen, die in einem dieser Heime gross geworden sind, im Gefängnis sitzen, ein weiterer Drittel ist in der Armee. Der letzte Drittel begeht Selbstmord. Nur etwa 3% schaffen den Weg zurück in den "normalen" Alltag.
Liebe Freunde, mich hat diese Geschichte sehr bewegt. Ich bin sicher, dass Johnny dies vielen seiner besten Freunde nie erzählt hat und fühle mich geehrt, einer der wenigen Zeugen dieser Ereignisse zu sein, auch wenn sie mir doch tief im Herzen Schmerz bereiten.
Ich bin sehr froh, dass Johnny sich geöffnet hat.
Ich wünsche euch einen bedächtigen Abend.
Euer Gabriel
Sonntag, 10. Januar 2010
045 Eine weitere Reisegeschichte
Liebe Freunde
Früh am Morgen sind wir also via Fähre in Romanshorn abgefahren. In der Zeitung im Restaurant der Fähre stand unter anderem auch, dass England wegen den heftigen Schneefällen sehr geplagt sei, und dass das Gas knapp werde. In Friedrichshafen angekommen, marschierten wir rasch zum Bahnhof. Salva hatte einen Lachanfall als er folgende Zugsbezeichnung las: "Friedrichshafen, Hafen => Friedrichshafen, Flughafen". Ich kann es ihm aus linguistischer Sicht nicht verdenken.
...(was danach geschah erscheint ein ander Mal unter dem Titel "Das ganze Leben in einem Rucksack")
Am Flughafen mache ich ja bekanntlich die lustigsten Begegnungen. So auch dieses Mal, als ich nach den Weihnachtsferien mit Salvatore (er kam über Sylvester in die Schweiz) ein weiteres Mal von Friedrichshafen Richtung London flog. Erst mal hatten wir ein wenig Cabaret, da es an jenem Morgen zwei Flüge gab, und ich den einen, und Salva den anderen gebucht hatte. Wir reisen nämlich seit Kurzem wie Staatschefs aus Sicherheitsgründen nicht mit dem gleichen Flieger! Ach Blödsinn, wir hatten einfach ne schlechte Kommunikation! Wir sind dann letztendlich doch zusammen geflogen. Umbuchen wäre allerdings teurer gekommen, als ein neues Ticket zu kaufen... was soll man dazu sagen!?
Früh am Morgen sind wir also via Fähre in Romanshorn abgefahren. In der Zeitung im Restaurant der Fähre stand unter anderem auch, dass England wegen den heftigen Schneefällen sehr geplagt sei, und dass das Gas knapp werde. In Friedrichshafen angekommen, marschierten wir rasch zum Bahnhof. Salva hatte einen Lachanfall als er folgende Zugsbezeichnung las: "Friedrichshafen, Hafen => Friedrichshafen, Flughafen". Ich kann es ihm aus linguistischer Sicht nicht verdenken.
Da wir Gepäck zum aufgeben hatten, wollten wir zeitig am Schalter sein. Bei der Handgepäcks-Kontrolle, wurde mein Rucksack speziell nach Sprengstoff untersucht und ich musste die Ergebnisse abwarten, dabei hätten sie mich ja einfach fragen können, ob ich Dynamit dabei habe. Aber heute traut ja Keiner Keinem mehr.... Nach einem ganzen Weilchen am Gate - Salva und ich sassen wie ein altes Ehepärchen auf dem Stahlbänkchen und starrten Richtung Piste - kam plötzlich die Durchsage, dass unser Flugzeug jetzt in London gestartet sei. Komisch, eigentlich müssten wir doch jetzt Borden?! Da es ja offensichtlich noch eine Weile dauerte, wollte ich etwas Nahrung besorgen und kämpfte ich rückwärts vom Gate her durch die Kontrollen Richtung Eingangshalle, wo es diesen Würstchenstand gab. Die Leute hatten eigentlich Verständnis und es war kein Problem. Dummerweise hab ich beim mich-mit-Nahrungsmitteln-eindecken nicht daran gedacht, dass ich mit den Getränkeflaschen auf keinen Fall wieder zu Salva vorstossen könnte. Da stand ich nun, ich armer Tor, und war so hungrig, als wie zuvor. Die Securities hatten nur ein Lächeln übrig. Wir vereinbarten, dass ich Salva, der unser Gepäck bewachte, kurz informieren geh über die Situation, dann komme ich zurück, esse und trinke, und dann lösen wir uns gegenseitig ab. Es war ein Cabaret, wirklich. Komplizierter hätten wir es nicht veranstalten können. Wenigstens heiterten wir die Gemüter ungeduldigen Zeitgenossen mit den stoischen Blicken etwas auf. Bis wir fertig waren, war dann der Flieger auch schon da, unglaublich, oder? Bevor wir starten konnten, fuhr noch ein Feuerwehrfahrzeug vor, mit einem Wasserwerfer. Es besprühte die Tragflächen unserer Maschine mit einer gelblichen Flüssigkeit, wohl irgend ein anti-gefrier-Wässerchen.
Kurz vor der Landung in Stansted war ich natürlich gespannt, wieviel Schnee denn nun da unten liegt. Immerhin ist ja der Eurotunnel zwei mal(!) eingefroren....wie peinlich!! Als wir landeten, sah ich mit erstaunen die Gras-Spitzen unter dem Schnee hervorgucken. Tiefer Winter... na klar... aus englischer Sicht... Der Flughafen schien recht leer. Fast keine Arbeitenden. Nur wenige an der Passkontrolle. Hinter der Passkontrolle wird normalerweise das Gepäck in Empfang genommen. Aber da Standen die Menschen wie Schafe und warteten auf ihr Gepäck. Einige hatten es sich bereits am Boden oder auf den Transportbändern gemütlich gemacht. Alle schauten sie in Richtung Anzeigetafeln, aber nichts änderte sich. Da war so eine Frau um die 40ig, die hatte ständig ein Lächeln auf dem Gesicht. Ich lächelte mal zurück und gleich nochmal. Salvatore wars warscheinlich ein wenig peinlich. Plötzlich kam die Frau zu uns hinüber und wir haben angefangen uns zu unterhalten. Es war eine deutsche Künstlerin, die seit mehr als 10 Jahren in London lebt. Irgendwie eine Mischung aus Neuhippie, Besserwisser und Esoterik. Bin nicht ganz schlau geworden aus ihr. Egal, nach ca 40 Minuten kam etwas Leben ins Spiel. Ein Flug von zehn ausstehenden wurde einem Förderband zugewiesen. Und schon bald der nächste... und der Nächste. Schliesslich kamen wir zu unserem Gepäck. Wir verabschiedeten uns freundlich und eilten Richtung Züge hinunter. Da versperrte und allerdings ein Transparent den Weg "Heute keine Züge ab Stansted. Ersatzbusse stehen bereit!" Na toll, alles wieder hinauf und raus zu den Bussen. Dort erwartete uns das Chaos. Vierzig Busse, hunderte von Leuten die versuchen irgendwie an Informationen zu kommen, gestresstes Personal, die Ursuppe für Desorientierung schlechthin. Fast wie durch ein Wunder (es fehlte nur noch der Chor im Hintergrund), stand da dieser grosse Busfahrer. Wir fragten eilig wo denn der Bus nach Peterborough abfährt. "Dahin gibt's keinen Bus", meinte er und ich fand das gar nicht lustig. "Aber der Zug fährt dahin! Unten, Gleis 2!" Ich erwiderte, dass die aber heute alle ausfielen und er meinte, dieser sei eben der Einzige, der noch fahre. Froh über diese Information und gleichzeitig etwas unfroh über die Art und Weise, wie hier auf der Insel informiert wird, rannten wir wieder hinunter, quetschten uns am Info-Schild vorbei und siehe da, wir waren nicht die einzigen. Da warteten bereits eine Schar von eher jungen Leuten auf den Zug der natürlich Verspätung hatte...
Kurz vor der Landung in Stansted war ich natürlich gespannt, wieviel Schnee denn nun da unten liegt. Immerhin ist ja der Eurotunnel zwei mal(!) eingefroren....wie peinlich!! Als wir landeten, sah ich mit erstaunen die Gras-Spitzen unter dem Schnee hervorgucken. Tiefer Winter... na klar... aus englischer Sicht... Der Flughafen schien recht leer. Fast keine Arbeitenden. Nur wenige an der Passkontrolle. Hinter der Passkontrolle wird normalerweise das Gepäck in Empfang genommen. Aber da Standen die Menschen wie Schafe und warteten auf ihr Gepäck. Einige hatten es sich bereits am Boden oder auf den Transportbändern gemütlich gemacht. Alle schauten sie in Richtung Anzeigetafeln, aber nichts änderte sich. Da war so eine Frau um die 40ig, die hatte ständig ein Lächeln auf dem Gesicht. Ich lächelte mal zurück und gleich nochmal. Salvatore wars warscheinlich ein wenig peinlich. Plötzlich kam die Frau zu uns hinüber und wir haben angefangen uns zu unterhalten. Es war eine deutsche Künstlerin, die seit mehr als 10 Jahren in London lebt. Irgendwie eine Mischung aus Neuhippie, Besserwisser und Esoterik. Bin nicht ganz schlau geworden aus ihr. Egal, nach ca 40 Minuten kam etwas Leben ins Spiel. Ein Flug von zehn ausstehenden wurde einem Förderband zugewiesen. Und schon bald der nächste... und der Nächste. Schliesslich kamen wir zu unserem Gepäck. Wir verabschiedeten uns freundlich und eilten Richtung Züge hinunter. Da versperrte und allerdings ein Transparent den Weg "Heute keine Züge ab Stansted. Ersatzbusse stehen bereit!" Na toll, alles wieder hinauf und raus zu den Bussen. Dort erwartete uns das Chaos. Vierzig Busse, hunderte von Leuten die versuchen irgendwie an Informationen zu kommen, gestresstes Personal, die Ursuppe für Desorientierung schlechthin. Fast wie durch ein Wunder (es fehlte nur noch der Chor im Hintergrund), stand da dieser grosse Busfahrer. Wir fragten eilig wo denn der Bus nach Peterborough abfährt. "Dahin gibt's keinen Bus", meinte er und ich fand das gar nicht lustig. "Aber der Zug fährt dahin! Unten, Gleis 2!" Ich erwiderte, dass die aber heute alle ausfielen und er meinte, dieser sei eben der Einzige, der noch fahre. Froh über diese Information und gleichzeitig etwas unfroh über die Art und Weise, wie hier auf der Insel informiert wird, rannten wir wieder hinunter, quetschten uns am Info-Schild vorbei und siehe da, wir waren nicht die einzigen. Da warteten bereits eine Schar von eher jungen Leuten auf den Zug der natürlich Verspätung hatte...
...(was danach geschah erscheint ein ander Mal unter dem Titel "Das ganze Leben in einem Rucksack")
Bis zum nächsten Mal!!
Euer Gabriel