Dienstag, 27. Januar 2009

029 Ich kaufe Werkzeug

Liebe Freunde

Ich absolviere gerade meine neunzehnte Ausbildungswoche hier in Newark. Das bedeutet, dass ich bereits mehr als die Hälfte aller Lektionen des ersten Jahres hier am College hinter mir habe. Unglaublich! Oder wie ein Engländer vielleicht treffender sagen würde "oh my gosh that's kind of scary isn't it".

Hab diese letzte Woche ein fettes Paket aus meiner Heimat erhalten. Darin befanden sich nebst einigen Kleidungsstücken auch noch eine halbe Speckseite, einer Engadiner Nusstorte und der Zukünftige Boden meiner zukünftigen Bratsche! Also der Reihe nach:
  • Die Speckseite hab ich mir zwischen Weihnachten und Neujahr im luzernischen Beromünster beim Besuch meines Patenonkels in der dortigen Metzgerei unter den Nagel gerissen. Ein Prachtsstück! Ihr müsst wissen, dass es hier sowas wie Trockenfleisch überhaupt nicht gibt. Wenn man Glück hat, dann findet man im Supermarkt ein Gestell das mit "Spezialitäten vom Kontinent" angeschrieben ist, relativ abseits steht und in dem es ausser unterdimensionierten Salamis zu überdimensionierten Preisen nichts zu finden gibt. Ganz lange hab ich das gar nicht gemerkt. Ich finde es sehr interessant wie Angebotsgesteuert der heutige Durchschnittsmensch funktioniert (zu diesem zähle ich mich normalerweise nicht). Fatalerweise stelle ich fest, wie ich ohne Plan Nahrung besorge. Mir ist das Wissen um meine Bedürfnisse abhanden gekommen oder ich habe es gar nie richtig gebildet. "Der Kühlschrank ist leer, also gehen wir einkaufen..." anstelle von "hab ich heute schon Vitaminen zu mir genommen?" oder noch besser "ich habe das Bedürfnis auf eine Frucht!". Es mag Euch jetzt vielleicht langweilen, aber ich habe am Beispiel des Trockenfleisches gemerkt, dass ich viel bewusster einkaufen möchte. Ich möchte nicht einfach nur konsumieren was mir angeboten wird sondern konkret suchen was mir gut tut.
  • Die Engadiner Nusstorte stammt aus DER Konditorei im Engadin, genauer als Scuol und ist mit Honig aus des Konditors eigener Imkerei versehen. Meine Grossmutter pflegte solche Nusstorten so jedes zweite Jahr zu backen. Der Aufwand muss einfach riesig sein. Aber die Liebe die einem entgegenströmt bei einem Biss in dieses unschuldige Törtchen...ach...
  • Schon bald möchte ich mit dem Bau meiner ersten Bratsche beginnen. Dies allerdings in meiner Freizeit. In der Schule wäre dies erst im dritten Jahr vorgesehen aber schliesslich möchte ich viele Erfahrungen sammeln. Für eine Bratsche (wie für jedes andere Streichinstrument auch) braucht man zuerst mal ja etwas Holz. Streichinstrumente sind in der Regel aus Fichte und Ahorn gebaut, wobei man gerade bei Cellis (Mehrzahl von "das Cello") selten auch Pappel für den Boden verwendet. Da das Holz ja der Resonanzkörper (der Lautsprecher sozusagen) des Instrumentes ist, wird es nach ganz bestimmten Kriterien ausgesucht. Mein Holz beziehe ich aus einer streng geheimen Spezialquelle, die ich hier auf keinen Fall preisgeben darf.
Die letzten Tage hab ich mich intensiv mit der Frage meiner Werkzeuge auseinander gesetzt. Im Hinblich auf den tiefen Euro und das tiefe Pfund, erscheint es mir gerade recht günstig einige Anschaffungen zu tätigen. Ihr glaubt ja nicht was man als Geigenbauer alles braucht! Und nächstes Jahr kommt dann das ganze Thema des Restaurierens noch dazu, sprich Pinsel, Pigmente, Spezialzwingen (versuche möglichst viele selber zu machen), Mesgeräte... Aber gutes Werkzeug ist ja für ein ganzes Leben gedacht und wer weiss, vielleicht wird meine Tochter oder mein Sohn ja auch mal Geigenbauer? Habe vor 3 Monaten ein 130-jähriges Stockeisen auf dem Markt gefunden. Ein Glücksfall! Hab £15 dafür gezahlt. Der Stahl ist vom Feinsten. Solche Treffer landet man allerdings eher selten da die Dichte des Zielpublikums derartiger Dinge hier recht hoch ist. Darum kommt man um den Neukauf vieler Werkzeuge gar nicht erst herum. Besonders freue ich mich auf den bestellten Flachwinkel-Bankhobel. Er wird mein erster grosser Qualitätshobel sein und wird in Kanada hergestellt Bild.

Seit anfangs Jahr arbeite ich immer an den Wochenenden bei einer Firma in Peterborough. Diese Firma wurde vor über 10 Jahren von der in Uzwil ansässigen Bühlergroup aufgekauft, bei der ich viele Jahre gearbeitet habe. Da ein Studium ja immer auch mit Auslagen verbunden ist, kam mir die Idee, mich bei dieser Firma um eine Stelle zu bemühen. Dank einiger gut gepflegter Kanäle aus der Zeit des Kalten Kriegs ist es mir gelungen an den Mittelsmann heranzukommen, mit anderen Worten: Ich kenne Jemanden der Jemanden kennt, der der Chef ist von Demjenigen, der entscheidet ob es mich überhaupt brauchen könnte (er hat übrigens gemeint, es brauche mich!). Seit anfangs Januar fahre ich also jedes Wochenende nach Peterborough um bei der dortigen CDD Steuerungen zu bauen. Das Auffrischen der einst erworbenen Fähigkeiten macht mir recht Spass und ist ein guter Ausgleich zum Geigenbauen. Allerdings geht die Wirtschaftskriese wohl an niemandem Spurlos vorüber und so werde ich ab Mitte Februar an den Wochenenden wieder Ausschlafen können. Aber wer weiss, vielleicht später einmal wieder? Ich bin jedenfalls froh, dass ich nicht mehr im Hotel als Nachtportier arbeiten muss.

So meine Lieben, das nächste Mal schicke ich Euch wieder ein paar Bilder mit. Wovon? Lasst Euch überraschen...

bis dann
Euer Gabriel

Sonntag, 18. Januar 2009

028 Ein Neues Jahr beginnt

Liebe Freunde

Seit über einer Woche bin ich jetzt bereits wieder auf britischem Boden. Weihnachten und Neujahr hab ich in der Schweiz mit Familie und Freunden verbracht. Wir haben wieder mal so richtig Weihnachten gefeiert mit Weihnachtsliedern, Geschenke verteilen, sogar Musik haben wir gemacht. Das war sehr schön.

Auf meinem Rückflug hab ich natürlich wieder allerlei erlebt (wie jedes Mal). Diesmal hats eigentlich schon vorher angefangen und zwar hab ich am Vorabend vor meinem Rückflug meine Brieftasche nicht mehr gefunden. Alter Schalter, das war nicht so angenehm. Vor allem musste ich den 0600 Zug erwischen, wenn ich meinen Flieger rechtzeitig erreichen wollte. Das Fundbüro der Stadtpolizei nimmt aber leider erst um halb acht die Telefone entgegen. Also versuchte ich verzweifelt nachzuvollziehen wo ich denn meine Brieftsche das letze mal benutzt oder gesehen habe. Daraufhin wurde natürlich die grosse Suchaktion gestartet. Unglaublich was man alles in Bewegung setzt um seine Brieftasche wieder zu finden, als wäre sie ein Teil von einem. Die letzte Option die noch übrig blieb als sich bereits alle Hebel zur globalen Suche als nichtig erwiesen hatten war dieses Mietauto.

- Kennt Ihr alle Mobility? Eine recht sinnvolle Erfindung die einerseits das Zugfahren voll unterstützt und andereseits lokale Mobilitär total gewährleistet. Es handelt sich hierbei um diese roten Autos, die habt ihr sicher auch schon mal irgendwo gesehen. In der Schweiz gibts sogar überall spezielle Parkplätze dafür. Die meisten Bahnhöfe sind mit ein zwei Modellen ausgerüstet. -

Jedenfalls war ich am Nachmitag mit einer guten Freundin in eben so einem Mobility Auto unterwegs um Einkäufe zu machen. Natürlich bin ich gefahren, obschon dieser Mobility Vertrag auf ihren Namen läuft. Da ich während dem fahren nicht gerne auf der Brieftasche sitze, verstaue ich sie immer irgendwo in der Mittelkonsole. Ich hatte sie am Nachmittag noch benutzt und mochte mich schwach an diese Mittelkonsole erinnern... Aber vergessen tu ich das ja jeweils doch nicht, oder? Wir waren unsicher und so versuchten wir herauszufinden wer wohl nach uns noch dieses Auto gefahren ist. Uns wurde die Auskunft erteilt, der Velokurier habe das Auto danach noch gefahren. Toll, der VELO-Kurier. Angenommen jemand entscheidet sich aus ökologischen Gründen für den Velokurier und der kommt dann mit dem Auto, hallo? Ja lassen wir das. Jedenfalls war der Kurier auch nicht vor acht Uhr zu erreichen und so blieb mir nur das Warten und die Hoffnung dass die Brieftasche wieder zum Vorschein kommen möge. Dass ich den Flug nicht mehr gebrauchen kann tat mir etwas weh. Hab mir dann vorsichtshalber schon mal Alternativflüge aus dem Internet gesucht.

Am anderen Morgen nach acht Uhr kam dann das Telefon, der Kurier habe meine Brieftasche gefunden. Welche Entlastung! Ironischer weise waren die beiden Orte (Ort wo ich gemerkt habe dass mir die Brieftasche fehlt und der Wohnort des Kuriers) nur 50m von einander entfernt!! Die Lösung wäre so einfach gewesen und trotzdem hat die Begebenheit im Grunde ihre Kreise bis nach England gezogen. Wieso passieren wohl solche Dinge?

Am darauf folgenden Tag hatte ich dann um die gleiche Zeit wieder einen Flug gebucht. 0600 auf den Zug, Fähre nicht verpasst, bei eisiger Kälte frierend auf den Zug gewartet der mich hoffentlich zum Flughafen fährt. Da gleich mal selber bei einem leeren Check-in die Waage für PGGO missbraucht (die Abkürzung hab ich soeben erfunden und bedeutet PersönlicheGepächsGewichtsOptimierung). Trotz PGGO musste ich mit etwa 2,5kg Übergewicht rechnen. Als dann der Check-in offiziell öffnete, war ich einer der Ersten. Allerdings hat sich da gleich eine ältere Dame ganz unangenehm vorgedrängelt. Das nette Fräulein am Check-in hat die Situation sofort erkannt und die Gute nach hinten verwiesen. Mir war die Situation nicht ganz unangenehm, da ich mit meinen beiden Handgepäckstücken (eines wäre erlaubt) und meiner über gewichtigen Reisetasche auf viel guten Willen angewiesen war. Und siehe da, meine gute Kinderstube hat sich ausgezahlt! Musste weder Übergepäck nachzahlen noch wurde mir das zweite Handgepäck beanstandet. Hab mich selten so glücklich vom Check-in entfernt.

Die Handgepäcks-Durchleuchtung war dann wieder ein anderes Thema. Ich hatte ehrlich gesagt etwas Angst, sie würden die zehn Präzisionsmesswerke, die ich für meine Mitstudenten via MWSt-günstige Schweiz nach England importiere beanstanden. Aber dem war nicht so. Trotzdem kam mein Gepäck die nächsten knapp 40 Minuten nicht von diesem Röntgenapparat weg. Der Grund dafür war mein mir erst gerade angeschafftes Männlichkeitssymbol, mein Zippo. Ein graziöses Qualitätsspielzeug dass einen in der Zeit des Neandertaler zum Status des Ober-Medizinmannes befördert hätte (ich verwechsle wohl einige Dinge). Man stelle sich vor: ich hatte 2 Feuerzeuge dabei, eines mit so einem Halbschweissbrenner ausgerüstet um das Feuer auch in windigen Nächten zu entfachen (ein Biest von einem Feuerzeug) und das Andere war dieses halb ausgetrocknete, eher einer Radierung gleichende Edel-Feuerzeug. Es war soo teuer und dazu noch ein Geschenk! Aber nein, sie hätten Anweisung. Da drin befinde sich flüssiger, nicht abgedichteter Brennstoff. Tja, da guckste, was? A..a....aber....aber ich mach doch gar nichts.....! Nützt nichts. Anweisung von Frau Merkel persönlich (bin gerade am Ausschmücken des Absatzes).

Gesenkten Hauptes übergab ich voller Trauer und Inbrunst dieses Statussymbol der netten Dame. Sie muss wohl meinen Schmerz mitempfunden haben als sie plötzlich sagt: Also wir hätten ja die Möglichkeit dieses Ding innerhalb des Landes zu Verschicken. Die gute Frau! Denn ich kenn ja ganz viele Leute in Deutschland (ah ich muss dazu sagen dass ich immer ab Friedrichhafen fliege). Aber wo wohnen die und was ist deren Adresse? Die Securitys haben mich an den Informationsdienst veriesen. Ich renne also mit meinem Zippo quer durch die kleine Abfertigungshalle zu diesem Desk (beim hinausgehen mit dem Zippo musste ich ja wieder durch diesen Metalldetektor und hatte ein riesen Dilemma wiel ich wusste dass der jetzt gleich vollgas pfeiffen und funkeln wird wie eine Dampflock unter einem Weihnachtsbaum, ein merkwürdiges Dilemma. Aber darüber werfen und auf der anderen Seite wieder auffange war irgendiwe zu auffällig und so hab ich mich für die peinliche Variante entschieden. Wieviele Leute würden sich das wohl überlegen?).

Am Infodesk angekommen hab ich meine Situation erklärt und die gute Frau (ende dreissig, sehr sympatisch) wollte gerne eine Adresse für den Empfänger entgegennehmen. Aber woher denn jetzt eine Adresse nehmen. Am besten rufe ich ein paar leute an die ich kenne um eine Adresse zu ergattern. Aber dazu brauche ich mein Mobiltelefon und das ist....genau, in der Gepäckkontrolle. Etwas hilflos fragte ich ob ich wohl ihren PC für ein paar Recherchen benützen dürfte. Sie willigte ganz selbstlos ein und ich startete Facebook mit der Hofnung im Info-Bereich einiger Freunde aus Deutschland vielleicht irgend eine Adresse herauszubekommen. Doch leider Fehlanzeige. Nach einer temporären Abmeldung renne ich also wieder zurück und frage bei der Kontrolle ganz ausser Atem nach meinem Kistchen, dass dort ganz einsam am Boden stand. Dankend und mit ganz langsamen Bewegungen zückte ich dann mein Natel unter dem Mantel hervor, dankte nickend noch einmal und raste wieder gen Info-Desk. Dort rief ich eine Hand voll Freunden an aber die waren irgendwie alle besetzt. Wenn man nicht mehr weiter weiss muss man Papa fragen. Gedacht getan. Und so war es. Zumindest einen Namen und die Ortschaft konnte er für mich ganz schnell ausfindig machen. Das nette Fräulein am Info-Desk liess mich selbstverständlich grad wieder selbst an ihren PC um auf dem Internet nach der Adresse zu suchen. Irgendwie ganz selbstverständlich, als ob ich dort arbeiten würde, suchte ich im deutschen online-Telefonbuch nach eben diesem Freund der Familie und wurde fündig! Eigentlich kostet dieser Service ja €5 aber das nette Fräulein, was soll ich sagen, wir haben uns eben gut Verstanden. Trotzdem bestand ich darauf, wenigstens für die Marke aufzukommen. Dummerweise war meine Brieftasche, die ich ja sooo gesucht hatte jetzt gerade eben auch in jenem Kistchen bei der Gepäckskontrolle und so blieb mir nichts anderes übrig also noch mal einen Spurt quer durchs Gebäude hinzulegen um die netten Security ein weiteres Mal zu bemühen um die Schulden beim netten Info-Desk Fräulein zu begleichen. Ich hatte schon langsam etwas Bedenken ich würde den Flug nicht mehr erwischen, aber es war genug Zeit. Besonders als es aus den Lautsprechern tönte, dass unsere Maschine in London wegen schlechten Wetterverhältnissen noch nicht einmal gestartet sei, sprich 2h Verspätung. Da ich weit und breit niemanden sah, der aus lauter Langeweile eine Seife auspackte, machte ich ein Nickerchen.

Soweit für heute... ich muss ins Bett...

Wünsche Allen eine guet Woche!

Euer Gabriel

Sonntag, 14. Dezember 2008

027 Der Fiddle Race Wettbewerb

Liebe Freunde

Die letzten Tage in Newark zählen wohl zu den unglaublichsten, anstrengendsten, aufregendsten und intensivsten die ich hier bis jetzt erlebt habe.

Vor etwa 3 Monaten wurde ich angefragt einem "Fiddle Race Team" beizutreten. Ein Fiddle Race ist ein Geigenbau Rennen, dass hier in Neark seit über 25 Jahren Tradition hat. Dabei geht es darum in 24h mit seinem Team eine Geige zu bauen. Ein schier undenkbares Unterfangen. In den frühen Tagen dieser Tradition baute man 24h am Stück an dem Instrument. Heute darf man das aus Sicherheitsgründen gar nicht mehr und deshalb wirds auf 3 Tage verteilt (9h+9h+6h). Bereits im Vorfeld werden von den diversen Teams die ausgeklügeltsten Strategieen erdacht, um möglichst effizient und trickreich ans Ziel zu gelangen.

Letzte Woche war die Spannung bereits spürbar. Im Vorfeld war es uns gestattet die Mould (also die Form) mit den Eckblöcken unbearbeitet vorzubereiten. Auch die Decke und der Boden durften wir bereits vorbereiten sprich den Joint (also die Verbindung von rechter und linker Hälfte) leimen. Dieser muss ja recht gut trocknen ehe man mit "voller Kraft" die Späne fliegen lässt.

Insgesamt traten sieben Teams zum Fiddle Race an. Ein Team besteht immer aus 5 Mitgliedern und muss Studenten aus allen Ausbildungsstufen aufweisen. Der bestausgebildetste (3.Jahr) trägt von seinem Team die grösste Verantwortung. Er koordiniert die Arbeiten und muss versuchen trotz der Hektik Ruhe zu bewahren. Er wählt dann zwei Leute aus dem 2. Jahr, die doch bereits recht viel Erfahrung haben. Dann kommt noch einer aus dem ersten Jahr und seit Neustem auch einer aus dem Foundation Jahr (eine Art Vorbereitungsjahr zur anschliessenden Ausbildung). Da bei unserem Team plötzlich ein Zweitjährler abgesprungen ist mussten wir zusätzlich halt einen Erstjährler organisieren.

Unser Team:


Name: Pierrick
Nationalität: Franzose
besondere Merkmale: lange Haare, sieht aus wie Jesus
Fiddle Race Arbeit: die Schnecke


Name: Alisa
Nationalität: Deutsche
besondere Merkmale: lange Haare, gute Ausstrahlung
Fiddle Race Arbeit: die Decke


Name: Guillom
Nationalität: Franzose
besondere Merkmale: lange Haare, ruhiger Pol
Fiddle Race Arbeit: der Zargenkranz


Name: Lucie
Nationalität: Französin
besondere Merkmale: lange Haare, grosse Augen
Fiddle Race Arbeiten: Kaffe kochen, viiiieles lernen


Am Mittwoch Morgen war es also soweit. Peter Smith, der Rektor der Schule gab pünktlich um 9.00 A.M. das Signal zum Start. Ich kam etwa 2 Minuten zu spät, machte mich aber umso mehr hinter meinen Boden. Ich muss dazu sagen, dass ich den Boden zwar machen wollte, dies aber für einen "Lehrling" der gerade mal 3 Monate Studiert eine ziemliche Herausforderung darstellt. Dazu kommt das ich noch nie zuvor Einlagen eingearbeitet hatte und auch werder das Aushöhlen des Bodens noch das Verrunden der Kanten je zuvor üben konnte. Ich hab so Gas gegeben, dass ich eigentlich kaum wahrgenommen habe was um mich herum passiert ist. Die ganze Werkbankkombination hat gewackelt als ich mit dem aussparren der Wölbung begonnen habe. Diesen Teil kannte ich ja bereit, darum wollte ich da Zeit gutmachen. Ich kann nicht mehr genau sagen wann ich was gemacht habe. Die Zeit ist irgendwie stehen geblieben. Ich weiss nur, dass ich am ersten Tag die Wölbung und die Einlagen samt Hohlkehle fertig machen konnte. Ich war körperlich tot nach diesen 9 Stunden. Jeder Muskel war am Ende. Blasen im Handteller, kein Gefühl mehr im Zeigefinger nach dem Ausschneiden des Zargenkanals... Jetzt noch etwas Stretching, ein kühles Bier und ab ins Bett. Hab um 10.00 P.M. geschlafen wie ein Stein.


Am Donnerstag Morgen dann das etwas schmerzhafte Erwachen, das aber von der extremen Motivation völlig übertüncht wurde. Diesmal nur 1 Minuten zu Spät. Lucie auch. Hab sie in der Altstadt auf dem Weg zur Schule getroffen. Auch ihr tat alles weh. Sie hat die Zargen am Tag zuvor gehobelt und auf die richtige Dicke "gescratched". Danach hat sie mit dem Abrichten des Griffbretts begonnen. Ihre Lunge war innen bestimmt mit einem hauchdünnen Film von Ebenholz ausgekleidet. Ich hatte an diesem Morgen mein zweites nie zuvor erprobtes Unterfangen. Das Aushöhlen der Decke. Alisa hat mir in kurzen Zügen erklärt worum es geht und worauf ich achten muss. Und dann gings los.... einfach drauflos, immer im Hinterkopf der Gefanke nicht zu fest zu drücken damit der Boden nicht bricht und nicht zuviel Material abzutragen.... ein Gefühl von "do muesch jetzt eifach dure, frog nüt Unnützes, mach eifach". Nach 3h war mein Boden in der Rohform bereit für das Abrunden der Kanten. Das machte ich dann gleich anschliessend. Zuerst innen, dann aussen. Der Druck und die latente Angst etwas falsch zu machen war sehr anstrengend. Jeder hat sein Bestes gegeben. Unser Ziel war es "die Kiste" am Abend des zweiten Tages zu schliessen. Dies ist uns gelungen. Allerdings waren da noch ein paar Krämpfe zu überwinden aber auf die möchte ich jetzt gar nicht eingehen. Körperlich war ich an diesem Abend nicht so erschöpft wie am ersten Tag. Aber geistig war ich total ausgesaugt. An der Schwelle zu gereizt. Es ist gut seine Grenzen kennen zu lernen. An diesem Abend hab ich aufs Bier verzichtet und bin gleich nach Hause, hab mit Salvatore etwas gegessen und bin dann ins Bett.


Der folgende Tag war der alles Entscheidende. Auch diesmal war ich etwas zu spät aber nur weil ich unterwegs Guillom (des anderen Teams) aufgegabelt habe. Er ist mir auf die Lenkstange gesessen und wir sind wie ein frisch verliebtes Pärchen durch die Gässchen von Newark geradelt. Die Mehrheit der Newarker sind sich des Wertes der Farbigkeit bestimmt nicht bewusst, die die "Kontinentler" mit sich bringen aber bestimmt haben wenigstens einige geschmunzelt. Der Letzte Tag war vor allem dem Finish gewidmet. Aber am Ende sind es dann doch noch viele kleine Sachen, die zusammen kommen. Pierrick hat mit dem anpassen des Stegs begonnen. Alisa hat die Geige, die jetzt bereits wie eine aussah, von allen Seiten her poliert und ich hab mich mit der dritten Unbekannten angefreundet, dem Sattel. Das ist ein Kleines Stück Ebenholz, dass sich unmittelbar hinter dem Saitenhalter befindet. Der Stahldraht des Saitenhalters würde die Decke unter dem Zug der Saiten beschädigen wäre da nicht der Sattel. Dieses kleine Ding also hab ich auch noch gemacht. Bin schon ein wenig stolz auf mich, aber vorallem bin ich dankbar für dieses grossartige Team das ohne böse Worte und so viel Verständnis für einander funktioniert hat. Kurz vor halb 4 haben wir die Saiten aufgezogen, danach hab ich die Geige gestimmt und dann hat ihr Lucie die ersten richtigen Töne entlockt. Stellt euch mal diesen Moment vor! Vielleicht wie wenn das gerade eben geborene Baby zum ersten Mal schreit (also vielleicht nicht so ein Wichtiger Moment, dafür tönt die Geige schöner).


Um 4 Uhr mussten wir alle unsere Instrumente abgeben. Sieben Instrumente von 35 werdenden Geigenbauern. Diese Sieben Geigen gehen alle nach Kuba wo sie von der Organisation "Luthier sans Frontiere" an talentierte, mittellose Geigenstudenten weitergegeben werden.

Um 5 war dann die Preisverleihung. Ein ehemaliger Geiger aus Korea hat euf jeder Geige etwas vorgespielt. Die habens natürlich spannend gemacht. .. ich auch... Wer hat wohl gewonnen?
Ich sag nur: Schaut euch die Fotos auf der rechten Seite an!


Liebe Grüsse Euch allen. Mein Tagebuch macht jetzt Weihnachtpause. Werde bald in die schöne Schweiz fahren! Euch allen eine frohes und gesegnetes Weinachten und bis bald wieder im Neuen Jahr!

Mittwoch, 3. Dezember 2008

026 Weihnchts Oratorium

Liebe Freunde

Die "Newark Choral Society" hat dieses Jahr einmal mehr das Weihnachts Oratorium von Bach lancert. Andres, ein Geigenbauer aus dem 3. Jahr, hat mir gesagt, dass ich da eventuell im Chor mitsingen könnte. Da ich Bach sowieso liebe hab ich mich also um einen Platz im Chor bemüht. Da ich dies erst 3 Tage vor dem Halftern (Trimesterferien ende Oktober) erfahren habe konnte ich erst Mitte November den Proben beiwohnen. Das war allerdings eine kleine herausforderung, da ich erstens das Weihnachtsoratorium noch nie gesungen habe, zweitens der ganze Text auf englisch gesungen wird (übel) und drittens die Aufführung letzten Samstag war!! Mir blieben also noch zwei Chorproben wobei jeweils der zweite Teil der Probe fürs neue Programm verwendet wurde (na toll!). Dann kommt dazu dass ich zur ersten Probe wegen Verschlafens zu spät kam. Peinlich!

Das Orchester besteht zu einem grossen Teil aus Leuten der Geigenbauschule. Ausser ca 3 Leuten sind oder werden alle Streicher zu Geigenbauern ausgebildet. Da sieht man mal wie wir Studenten hier das Kulturelle Angebot massgäblich gestalten.

Unser Dirigent Roger Bryan ist ca 55 Jahre alt und ein richtiger Künstler. Er darf in einem wunderschönen Haus direkt neben der Kirche Hausen und beherrbergt jedes Jahr zwei Studenten. Mit dem Erlös der Miete kann er knapp die Heizkosten für dieses undichte Bijou bezahlen. Er hat etwas, das man wohl als britischen Charme bezeichnet. Während der Proben versteh ich nicht immer alles, aber nach jedem zweiten Satz musste der Sopran oder Alt oder auch beide jeweils leicht errötend kichern, während sich einige die Frisur zurecht tätschelten. Man muss hier vielleicht anbringen, dass ich mit meinem dabeisein das Durchschnittsalter der fünfzigköpfigen "Society" um etwa 10 Jahre nach unten gerissen habe (das war jetzt wohl leicht übertrieben). Jedenfalls hat er sich so die Herzen der Damen im Sturm erobert.

Die Leute da sind wie gesagt alle zwischen 50 und 70 und sehr nett. Sie gehören zu der Generation die, wenn man ihnen eröffnet Schweizer zu sein, mit "oh really, what a beautiful place on earth and so clean!!" reagiert. Ich nichte dann immer ganz stolz und hie und da zeige ich dann auch mein neutrales Schweizer Sackmesser. Aber sie sind wirklich alle sehr zuvorkommend und auf eine angenehme Art reserviert.
die Lustigen Leute

(Dieser Abschnitt wird jetzt sehr technich, aber interessant. Wer will kann ihn ja überspringen.)
Damit ich dieses Oratorium überhaupt einstudieren konnte, bediente ich mich allerlei technischer Hilfsmittel. Zuerst hab ich das Werk als MIDI-Sequenz aus dem Internet geladen. Nach etwas Suchen fand ich eine Datei mit sämtlichen Spuren. Diese hab ich ins LOGIC (mac Musikprogramm) importiert und die Spuren dann mit schön klingenden Instrumenten versehen. Danach hab ich meine Stimme in der Lautstärke etwas angehoben und das ganze als mp3 exportiert und komprimiert. Danach hab ich mir auf meinen iPod-Minimikro geladen und während dem Geigenbauen ständig angehört. Eine sehr effiziente Variante.

Vor genau einer Woche hatten wir dass die erste Probe mit den Streichern. Dies bereits in der Methodist-Church. Die ist recht klein und der Chor musste aus Platzgründen von der Empore aus singen. Das erschwerte das Zusammenspiel erheblich. Man sieht den Dirigenten schlecht, da ist die Schallverzögerung...etc.. es war ein Disaster. Roger benutze sogar ein Wort dass den Chor in eine richtige Revoltenstimmung versetzte. Es sollte den anscheinend Abscheulichen Klang des Soprans zum Ausdruck bringen. Einige Soprane sind dann nach Hause gegangen. hmm....

Für das Konzert brauchte ich dann einen Schwarzen Anzug und das Nette Fräulein aus der ersten Reihe hat mir sogar eine Fliege als Leihgabe gegeben und meinem Nachbar so beiläufig gesagt er solle mir dann zeigen wie man diese ordentlich anzieht. Ich glaube die haben alle gedacht ich sein ein Clochard als sie mich das erste mal gesehen haben. Jedenfalls hab ich mir jetzt einen extrem heruntergesetzten 100% wollenen Anzug ergattert. Beim Schneider musste ich den dann noch anpassen lassen (Taille und Beinlänge).

Das Konzert war dann doch ein voller Erfolg, trotz vieler Krämpfe. Hier hab ich einige Bilder gepostet.

Viel Spass und liebe Grüsse!!


Freitag, 28. November 2008

025 Landschaftsbilder

Liebe Freunde

Hab gerade viel um die Ohren aber ich lasse Euch nicht auf dem Trockenen sitzen.

Hier ein Paar Landschaftsbilder vom letzten Wochenende. Hab Alisas Vater mit Henrys Auto zum Flughafen gefahren. Auf dem Rückweg war plötzlich so eine schöne Stimmung und wir haben uns entschlossen etwas spazieren zu gehen. Ich parkte das Auto einfach vor einem Bauernhof an der Hauptstrasse. Zwei Freunde von der Schule haben kürzlich dasselbe gemacht. Dem einen wurde es gestohlen. Dem andern wurde es über Nacht angezündet (!). Aber ich hatte Glück!

Hier einige Impressionen

Mittwoch, 26. November 2008

024 Sherwood Forest

Liebe Freunde

Vor ein paar Wochen war ich im berühmt berüchtigten Sherwood Forest. Die meisten von euch kennen den Wald vermutlich aus den Erzählungen des Robin Hood, der die Reichen bestohlen und das Geld unter den Armen verteilt hat. In genau diesem Wald war ich also vor zwei Wochen. Der Wald war früher mal viel grösser. Das Städtchen Newark in dem ich lebe war damals noch völlig vom Wald eingeschlossen. Heute muss man mit dem Auto 20 Minuten fahren um ihn zu erreichen.

In einem bestimmten Abschnitt gibt es da ein Haus auf einer Lichtung, dass schon fast ein wenig an ein Etablissement aus königlicher Zeit erinnert. Vor ca 30 Jahren haben sich dort wohl einige Hippies niedergelassen. Es sieht ganz nach einem selbstversorger Örtchen aus. Holz zum heizen haben sie ja genug. Auf der Lichtung bauen sie allerlei Gemüse an. Da hat es noch ne kleine Weide mit einem Pferd. Weiter unten steht sowas wie ein Zelt aus Faserverbundstoff. Ich habe mir sagen lassen, dass dies eigentlich ein grosses Biotopbecken war, dass einer günstig gekauft hat und jetzt einfach umgekehrt aufgestellt als wasserdichtes Zelt benützt. Wie originell! Da es sehr kalt war an diesem Wochenende wurde das Zelt mit einem Holzofen beheizt. Auf der einen Seite war eine kleine Bühne komplet eingerichtet mit Licht, PA, Mikrofonen und Monitoring, alles einfach im Kleinformat. Auf der anderen Seite war sowas wie ne kleine Lounge mit Sofas und Stühlen. Alles dazwischen war Tanzfläche. Mal hat eine Band gespielt, dann wurde wieder Aufgelegt und eigentlich immer getanzt. Früh morgens um drei hatten Henry, Max und ich dann die spontane Idee unsere Geigen auszupacken und noch eine volle Stunde lang IrishFolk zu spielen. Das war richtig schön! Danach brauchte ich etwas Schlaf.

Der Morgen danach offenbarte sich in einem sanften Licht, das anfänglich noch unsicher, dann aber immer stärker durch das sich verfärbende Laub der Bäume dringte. Ich möchte eigentlich die Bilder sprechen lassen.

Dies hier ist übrigens der Ort. (die Karte ist interaktiv, die Karte lässt sich schieben und ergrössern)



In der Mitte des Bildes ist dieses alte Schlösschen.

Mit den nachfolgenden Bildern sende ich Euch allen liebe Grüsse (bitte aufs Bild cklicken).

Freitag, 21. November 2008

023 ...bin wieder daha!!

Liebe Freunde

Mit meinen Zeitangaben bezüglich "nächstem Eintrag" muss ich künftig sorgfältiger umgehen. Jedenfalls bin ich jetzt wieder da und bemühe mich regelmässig etwas aus meinem Leben zu berichten. Nicht etwa dass nichts passiert wäre in der Zwischenzeit, aber ich hatte einfach irgendie nicht so Lust zum schreiben. Eigentlich sollt der heutige Titel ja "Heimreise 2.Teil" lauten, aber unter den zeitlichen Gegebenheiten...naja.

Ich erzähle jetzt trotzdem was da am Flughafen noch so passiert ist, der Vollständigkeit halber.

(Fortsetzung aus Heimreise 1.Teil).... Aber dem war nicht so. Kaum hab ich mich hingesetzt und mein iBook hochgefahren, da setzt sich eine nette Frau um die fünfzig neben mich hin. Ich hatte sie zuvor beim Check-In gesehen und auch bereits im Wartehäuschen in Romanshorn und bei der Fähre. Sie hatte einen enormen Koffer bei sich (natürlich noch vor dem Check in) und eine liebe Ausstrahlung. Irgendwie sind wir ins Gespräch gekommen (das passiert mir ja oft) und haben uns einander vorgestellt. Ihr name war Sue. Sie hat mir erzählt, sie sei gerade auf dem Weg nach London um ihr Hausboot zu verkaufen. Anscheinend hatte Sue dort einige Zeit gelebt und da auch Schiffe auf der Themse herumgefahren. Ich war überrascht und hatte gut zugehört. Ihre Eltern seinen schweiz/kanadischer Herkunft aber sie sei in der Schweiz aufgewachsen (dem Dialekt zufolge in der Ostschweiz). Später ist sie jedoch mit ihrem Partner jahrelang um die Weltmeere gesegelt und hat auch ihre drei Kinder dort zu einem Teil grossgezogen, hat ihnen das Segeln beigebracht, hat sie unterrichtet und ihnen unheimlich viel gezeigt. - Das ist doch der Hammer!! - Eines Tages, als sie gerade vor Hawaii angelegt hatten (ich glaube es war um Weihnachten) sagte ihr Ältester: "Du, chömmer nöd endli mit dere Seglerei ufhöre. Ich möcht id Schuel...". Sie waren schon etwas schockiet und mussten sich dann wohl oder übel darüber Gedanken machen. Sie haben sich dann lange nach einer Insel umgeschaut, auf der möglichst wenig Infrastruktur vorhanden ist. Sie wollten ihre Kinder naturnahe aufziehen und ihre Zeit für sinnvolle Tätigkeiten nutzen. Und natürlich musste da eine Schule sein. Sie hat mir erzählt wie sie sich in Jachtclubs nach den "uninteressantesten Inseln" umgehört hätte, und genau jene haben sie dann erkundschaftet und sich schliesslich auch auf einer niedergelassen.
Ihre Kinder sind heute an Top-Positionen in Marine und Schiffahrt. Sie hat mir gesagt, dass sie ihnen die Studien unmöglich hätte finanzieren können. Dank deren umfangreichen Kenntnissen auf See hat jedoch der Staat die Kosten übernommen.

Sie selber ist sich gerade im Tessin am einrichten. Da muss es im Maggia-Tal irgendwo ein Öko-Dorf geben. Dort hat sie einen Laden wo sie allerlei handgemachte Waren verkauft. Eine Passion von ihr ist auch Menschen in aller Welt die Ur-Kenntnisse der Stoffherstellung wieder beizubringen, also z.B. wie man spinnt, webt oder filzt. Auch wie man aus ein paar wenigen Stöcken aus dem Wald und etwas Schnur einen einfachen Webstuhl bauen kann. Sie hat eine Webpage unter http://www.wool-n-dance.com. Eines ihrer derzeitigen Projekte sind gerade so Riesen-Filz-Teppiche. Den letzten hat sie im Tessin an einer Veranstaltung von heimischen Bauern realisiert.

Plötzlich nimmt sie eine Seife und einige farbige Wollenknäuel hervor und beginnt die Wolle zu zerzauseln. Während wir uns unterhalten wickelt sie die Seife vorsichtig mit dieser Wolle ein. Sie erklärt mir dass sie die Seife jetzt einfilze und ich sie nacher als "seifenspendender Waschlappen" gebrauchen könne. Wenn die Seife aufgebraucht ist, kann ich den Filz aufschneiden und als Handy-Schutz verwenden. Sooo cool!!

Ich hab ihr dann noch ein wenig von meiner Geschichte erzählt und ihr meinen wunderschönen(!) Instrumentenkoffer gezeigt. Die Frau neben ihr (auch gerade kennengelernt) war auch sehr interessert und ich hab ein wenig von der Geigenbauschule geschwärmt.
Wir sassen da also immer noch am Gate rum als plötzlich Alisa auf mich zu kommt. Welche Überraschung! Alisa ist Deutsche, im zweiten Jahr der Geigenbauschule und ist im Allgäu aufgewachsen. Was für ein Zufall! Ich freute mich sehr sie zu sehen. Ich wusste weder dass sie jeweils ab Friedrichshaven fliegt, noch dass sie (wie ich auch) einen Tag zu spät "einrücken" würde. Nachdem sich alle vorgestellt hatten kriegte auch Alisa und die andere Frau ne Seife und Wolle. Einige Kinder haben uns zugesehen und waren ganz angetan. Schliesslich bekamen auch sie eine Seife und das halbe Gate (etwas übertrieben aber eine schöne Vorstellung) war nun am filzen. Keiner hat mehr die Durchsagen von wegen Taschendieben etc. mitbekommen. Alle waren ganz friedlich und froh am Filzen. Was für ein Bild.

Der Flug verstrich dank der fröhlichen Unterhaltung "wie im Flug". In London angekommen passierten wir die Passkontrolle und gelangten zu unserem Gepäck. Alisa und ich verabschiedeten uns herzlich von den beiden Damen. Ich bin sicher, dass ich Sue wieder mal über den Weg laufen werde. Falls jemand von euch zufälliger Weise in diesem Öko-Dorf vorbeischaut, sagt ihr doch einen Gruess von mir, ja?

So, das wars von meiner Rückreise.

Allen ein friedliches Wochenende!