Samstag, 13. Februar 2010

047 Die Geschichte eines Freundes

Liebe Freunde

Der folgende Abschnitt ist nichts für schwache Nerven dafür um so näher am Leben. Er handelt von meinem Mitbewohner Johnny, der etwas kleiner ist als ich, kal rasiert, sehr kräftig und reich geschmückt mit Tätowierungen. Die meisten Leute wären anhand seiner Erscheinung wohl voreingenommen. Zum folgenden Abschnitt gehört diese Musik gespielt, aufgenommen und auf youtube gepostet von meinem anderen Mitbewohner Salvatore.





Seit über 11 Monate wohnen Salvatore und ich nun mit Johnny zusammen, aber heute Abend ist etwas sehr Berührendes passiert. Irgendwie sind wir alle im Wohnzimmer zusammen gekommen und haben uns ein wenig vom Tag erzählt. Salva und ich im Trainer, Johnny im roten Morgenrock. Er war gerade einige Stunden im Pub und hat das Rugby-Spiel "Schottland gegen Wales" live mitverfolgt. Johnny hat früher selber sehr aktiv Rugby gespielt und da er Waliser ist, musste er natürlich mit samt der dazugehörenden roten Tracht dem Spiel beiwohnen. Der rote Morgenrock war wohl der entspannende Höhepunkt nach dem grandiosen Sieg über die Schotten. Nach einigem Hin und Her wurden wir etwas still. Salva setzt sich ans Klavier und fängt an das Lied "The Lonely Man" zu spielen (siehe oben). Ich hab mir grade noch eine Hand voll Popkorn aus der Pfanne gegrabscht, die Salvatore frisch aufgesetzt hatte, als ich plötzlich merke, wie eine tiefe Trauer über Johnny kommt. Nun, er ist nicht gerade der Typ, der sich Gefühle leicht anmerken lässt, geschweige denn zeigt, aber dieses Lied muss ihn irgendwie berührt haben. Ohne etwas zu sagen bin ich aufgestanden, über die Bankreihe um den Tisch gegangen und hab mich bei Johnny hingesetzt und ihn ein wenig umarmt. Ich realisiere dass er weint. Salva hat friedlich weitergespielt und bis zum Ende des Liedes eigentlich gar nicht realisiert was passiert war. Etwas verstört hat er sich dann zu uns hingesetzt und meinte sinngemäss etwas wie:"Hey, Wales hat doch gewonnen...?!". Salva sind derartige Umstände eher unangenehm und deswegen überzeugten wir ihn, das Lied nochmals zu spielen. Nach etwa dem dritten Durchgang öffnete sich Johnny plötzlich und erzählte:

"Seit ich vier Jahre alt bin, hab ich vom Vater regelmässig Schläge bekommen, fünf Mal die Woche. An den Wochenenden gabs ne extra Portion. Ich habe jetzt noch Narben davon an den Beinen. In der Schule hab ich bei Auseinandersetzungen immer alles eingesteckt und mich nie gewehrt. Die Haue der Mitschüler waren sowieso nichts gegenüber der Prügel meines Vaters. Und wenn ich mich in der Schule gewehrt hätte und dies die Schulleitung mitbekommen hätte, wäre es zu Hause nur noch schlimmer geworden. Als ich sieben Jahre alt war, steckten sie mich in ein Heim (Social-Care). Mit 14 Jahren durfte ich wieder nach Hause. Mein Vater war damals arbeitslos und ich habe gearbeitet so viel ich nur konnte. Ich habe Post ausgertragen, Abends in den Pubs die Flaschen eingesammelt und entsorgt, mit dem Eis-Mobil herumgezogen. Regelmässig brachte ich £6 am Tag nach Hause, während mein Vater nur £3 Arbeitslosengeld erhielt. Dies sorgte wiederum für viele Konflikte. Und wieder gab es Prügel. Aber diesmal habe ich gewonnen. Ich habe meinen Vater zu Boden geschlagen, zum ersten Mal. Danach ging ich zur Schule. Ein Mitschüler rempelte mich an und zum ersten Mal wehrte ich mich auch da. Ich schlug ihn Spitalreif. Die Behörden sagten ich sei krank und steckten mich wieder in ein Heim, dabei ging ich so gerne zur Schule. Ich war gut in Mathe und Englisch.
- Als ich 4 oder 5 Jahre alt war, und mich Mutter auch nach langer Suche nicht finden konnte, wusste sie, dass ich in der Schule war. -
Sie brachten mich zusammen mit kriminellen und Straftätern. Eines Nachts wachte ich auf und hörte ein Tropfen. Ich stieg aus meinem Bett, rutschte aus und fiel zu Boden. Ich versuchte aufzustehen, aber es war alles so glitschig. Plötzlich begriff ich, dass ich in Blut badete. Mein Bettnachbar hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten. Voller Panik rannte ich zum Vorsteher und klopfte an seine Tür. Als der mich blutüberströmt sah, steckte er mich sogleich in eine Zelle. Die glaubten ich hätte ihn umgebracht. Zwölf Stunden war ich alleine in dieser Zelle, mein überströmt mit dem Blut meines Bettnachbars, der kurz zuvor seine beiden Eltern umgebracht hatte. Endlich hat jemand festgestellt, dass es Selbstmord war und ich konnte duschen gehen. Kurz darauf ist meine Grossmutter gestorben. Und wenn ich dieses Lied höre (Klavier) dann kommen mir all diese Ereignisse immer wieder hoch, bitte entschuldigt Jungs..."

Dies alles erzählte er stockend, zum Teil unter Tränen und fügte hinzu:

"In meiner ganzen Schulzeit habe ich 16 Mal die Schule gewechselt. Nie hatte es mit meinen schulischen Leistungen zu tun gehabt, nie mit der Disziplin, aber mein Verhalten...
Als mein Vater starb, besuchte ich vor der Beerdigung den Sarg und verweilte da zwei Stunden. Mir kam es vor wie zehn Minuten. Ich muss wohl hunderte von Wieso- und Warum-Fragen gestellt haben..."

Weiter sagte er, dass laut Statistik rund ein Drittel der Jugendlichen, die in einem dieser Heime gross geworden sind, im Gefängnis sitzen, ein weiterer Drittel ist in der Armee. Der letzte Drittel begeht Selbstmord. Nur etwa 3% schaffen den Weg zurück in den "normalen" Alltag.

Liebe Freunde, mich hat diese Geschichte sehr bewegt. Ich bin sicher, dass Johnny dies vielen seiner besten Freunde nie erzählt hat und fühle mich geehrt, einer der wenigen Zeugen dieser Ereignisse zu sein, auch wenn sie mir doch tief im Herzen Schmerz bereiten.
Ich bin sehr froh, dass Johnny sich geöffnet hat.

Ich wünsche euch einen bedächtigen Abend.
Euer Gabriel

Sonntag, 10. Januar 2010

045 Eine weitere Reisegeschichte

Liebe Freunde

Am Flughafen mache ich ja bekanntlich die lustigsten Begegnungen. So auch dieses Mal, als ich nach den Weihnachtsferien mit Salvatore (er kam über Sylvester in die Schweiz) ein weiteres Mal von Friedrichshafen Richtung London flog. Erst mal hatten wir ein wenig Cabaret, da es an jenem Morgen zwei Flüge gab, und ich den einen, und Salva den anderen gebucht hatte. Wir reisen nämlich seit Kurzem wie Staatschefs aus Sicherheitsgründen nicht mit dem gleichen Flieger! Ach Blödsinn, wir hatten einfach ne schlechte Kommunikation! Wir sind dann letztendlich doch zusammen geflogen. Umbuchen wäre allerdings teurer gekommen, als ein neues Ticket zu kaufen... was soll man dazu sagen!?

Früh am Morgen sind wir also via Fähre in Romanshorn abgefahren. In der Zeitung im Restaurant der Fähre stand unter anderem auch, dass England wegen den heftigen Schneefällen sehr geplagt sei, und dass das Gas knapp werde. In Friedrichshafen angekommen, marschierten wir rasch zum Bahnhof. Salva hatte einen Lachanfall als er folgende Zugsbezeichnung las: "Friedrichshafen, Hafen => Friedrichshafen, Flughafen". Ich kann es ihm aus linguistischer Sicht nicht verdenken.

Da wir Gepäck zum aufgeben hatten, wollten wir zeitig am Schalter sein. Bei der Handgepäcks-Kontrolle, wurde mein Rucksack speziell nach Sprengstoff untersucht und ich musste die Ergebnisse abwarten, dabei hätten sie mich ja einfach fragen können, ob ich Dynamit dabei habe. Aber heute traut ja Keiner Keinem mehr.... Nach einem ganzen Weilchen am Gate - Salva und ich sassen wie ein altes Ehepärchen auf dem Stahlbänkchen und starrten Richtung Piste - kam plötzlich die Durchsage, dass unser Flugzeug jetzt in London gestartet sei. Komisch, eigentlich müssten wir doch jetzt Borden?! Da es ja offensichtlich noch eine Weile dauerte, wollte ich etwas Nahrung besorgen und kämpfte ich rückwärts vom Gate her durch die Kontrollen Richtung Eingangshalle, wo es diesen Würstchenstand gab. Die Leute hatten eigentlich Verständnis und es war kein Problem. Dummerweise hab ich beim mich-mit-Nahrungsmitteln-eindecken nicht daran gedacht, dass ich mit den Getränkeflaschen auf keinen Fall wieder zu Salva vorstossen könnte. Da stand ich nun, ich armer Tor, und war so hungrig, als wie zuvor. Die Securities hatten nur ein Lächeln übrig. Wir vereinbarten, dass ich Salva, der unser Gepäck bewachte, kurz informieren geh über die Situation, dann komme ich zurück, esse und trinke, und dann lösen wir uns gegenseitig ab. Es war ein Cabaret, wirklich. Komplizierter hätten wir es nicht veranstalten können. Wenigstens heiterten wir die Gemüter ungeduldigen Zeitgenossen mit den stoischen Blicken etwas auf. Bis wir fertig waren, war dann der Flieger auch schon da, unglaublich, oder? Bevor wir starten konnten, fuhr noch ein Feuerwehrfahrzeug vor, mit einem Wasserwerfer. Es besprühte die Tragflächen unserer Maschine mit einer gelblichen Flüssigkeit, wohl irgend ein anti-gefrier-Wässerchen.

Kurz vor der Landung in Stansted war ich natürlich gespannt, wieviel Schnee denn nun da unten liegt. Immerhin ist ja der Eurotunnel zwei mal(!) eingefroren....wie peinlich!! Als wir landeten, sah ich mit erstaunen die Gras-Spitzen unter dem Schnee hervorgucken. Tiefer Winter... na klar... aus englischer Sicht... Der Flughafen schien recht leer. Fast keine Arbeitenden. Nur wenige an der Passkontrolle. Hinter der Passkontrolle wird normalerweise das Gepäck in Empfang genommen. Aber da Standen die Menschen wie Schafe und warteten auf ihr Gepäck. Einige hatten es sich bereits am Boden oder auf den Transportbändern gemütlich gemacht. Alle schauten sie in Richtung Anzeigetafeln, aber nichts änderte sich. Da war so eine Frau um die 40ig, die hatte ständig ein Lächeln auf dem Gesicht. Ich lächelte mal zurück und gleich nochmal. Salvatore wars warscheinlich ein wenig peinlich. Plötzlich kam die Frau zu uns hinüber und wir haben angefangen uns zu unterhalten. Es war eine deutsche Künstlerin, die seit mehr als 10 Jahren in London lebt. Irgendwie eine Mischung aus Neuhippie, Besserwisser und Esoterik. Bin nicht ganz schlau geworden aus ihr. Egal, nach ca 40 Minuten kam etwas Leben ins Spiel. Ein Flug von zehn ausstehenden wurde einem Förderband zugewiesen. Und schon bald der nächste... und der Nächste. Schliesslich kamen wir zu unserem Gepäck. Wir verabschiedeten uns freundlich und eilten Richtung Züge hinunter. Da versperrte und allerdings ein Transparent den Weg "Heute keine Züge ab Stansted. Ersatzbusse stehen bereit!" Na toll, alles wieder hinauf und raus zu den Bussen. Dort erwartete uns das Chaos. Vierzig Busse, hunderte von Leuten die versuchen irgendwie an Informationen zu kommen, gestresstes Personal, die Ursuppe für Desorientierung schlechthin. Fast wie durch ein Wunder (es fehlte nur noch der Chor im Hintergrund), stand da dieser grosse Busfahrer. Wir fragten eilig wo denn der Bus nach Peterborough abfährt. "Dahin gibt's keinen Bus", meinte er und ich fand das gar nicht lustig. "Aber der Zug fährt dahin! Unten, Gleis 2!" Ich erwiderte, dass die aber heute alle ausfielen und er meinte, dieser sei eben der Einzige, der noch fahre. Froh über diese Information und gleichzeitig etwas unfroh über die Art und Weise, wie hier auf der Insel informiert wird, rannten wir wieder hinunter, quetschten uns am Info-Schild vorbei und siehe da, wir waren nicht die einzigen. Da warteten bereits eine Schar von eher jungen Leuten auf den Zug der natürlich Verspätung hatte...

...(was danach geschah erscheint ein ander Mal unter dem Titel "Das ganze Leben in einem Rucksack")

Bis zum nächsten Mal!!
Euer Gabriel

Dienstag, 8. Dezember 2009

044 Ferien in Frankreich (zweiter Teil)

...

Der Grenzposten zwischen Deutschland und Frankreich sah aus wie ein VIP-Gerüst an einem Open-Air. Mitten über einer langen, geraden und übersichtlichen Hauptstrasse war also dieser Zoll gebaut und sah von Weitem wirklich aus wie ein Provisorium. Ich hatte ein wenig Bedenken, weil ich doch einiges an Material bei mir hatte. Aber anscheinend sahen wir drei sehr unverdächtig aus und wir passierten problemlos.

Unser nächstes Ziel war also Paris. Die Stadt der Künstler, der Brücken, der Liebe? Ich war noch nie zuvor da. Aber ich war sehr gespannt, was da wohl kommen würde?!
Ich war von der vorherigen Nacht noch ziemlich geschafft und eigentlich ganz froh, nicht fahren zu müssen. Leider ab ich die Batterie mal einige Sekunden abgehängt und somit hat der Radie seinen Code verloren, sprich: wir hatten die ganze Fahrt über keine Musik, keine Nachrichten, nichts. Eigentlich das Rezept für eine Familientherapie, obschon wir ja keine Probleme miteinander hatten. Die Karre ist eigentlich ganz ordentlich gelaufen. Bald fing ich an zu schlafen und wachte immer nur dann auf, wenn wir an einer dieser Autobahn-Zahlstellen anhalten mussten, um zu bezahlen. Da lob ich mir die Schweiz mit ihrem Vignetten-System, wirklich!

Irgendwann morgens um halb zwei - Timo ist immer noch gefahren - hatten wir alle etwas Hunger. Wir fanden bald eine Autobahnraststätte. Tanken mussten wir sowieso und somit haben wir unsere Rostlaube auf diesem grossen und sehr leeren Parkplatz der Raststätte abgestellt. Da wir vorne ja nicht schliessen konnten, mussten wir alle wertvollen Gegenstände entweder mitnehmen oder hinten einschliessen.
Die Raststätte hatte eine Glastür, gefolgt von einer enormen Rolltreppe, die nach oben führte. Dies jedenfalls wäre ja ein verheissungsvolles Omen gewesen. Oben angelangt, befanden wir uns am einen Ende eines Ganges. Links und recht waren so viele Fast-Food-Take-Away-Billig-Ketten-Plunder-Angebote, dass es einem fast den Appetit raubte. Aber da, ein Hoffnungsschimmer! Am anderen Ende des Ganges lächelte uns ein Buffet mit allerlei Salaten und Antipasti entgegen. Nach einem kurzen Blick und etwas Diskutieren, entschlossen wir uns für ein Mal. Raffaele nahm einen Salat vom Buffet, Timo und ich das Rumpsteak. Ja, wir freuten uns auf ein Stück Fleisch. Was dann allerdings daherkam war wahrscheinlich das mit Abstand Übelste, was ich je serviert bekommen habe. Timo versuchte nach dem ersten Bissen gar nicht erst weiter zu machen. Ich hab mich bis zur Mitte durchgekämpft, aber dann... Auch die Pommes-Frittes, eine kulinarisches Desaster! Wir waren recht enttäuscht. Immerhin haben wir uns auf ein paar Tage französische Küche gefreut. Unsere Untersuchungen haben ergeben:
  1. Das gute Stück hat nie einen Tropfen Bratfett von nahem gesehen.
  2. Dieser Happen wurde nicht in den letzten 24h gebraten.
  3. Das Stücklein Rind war vor 10 Minuten vermutlich noch gefroren (aber angebraten!).
  4. Dieses Essen wurde in einem Apparat zubereitet, in dem sich der Teller dreht und das Personal mit einem unscheinbaren "BLING" darauf aufmerksam gemacht wird, dass serviert werden kann.
Timo war fest entschlossen nicht zu zahlen. Ich war zwar auch enttäuscht, aber getraut hätt' ich mich das eher nicht. An der Kasse meine Timo mit starkem Akzent aber unmissverständlich:"Das Fleisch war sehr schlecht, wir bezahlen das nicht!" Die Dame hat nicht einen Bruchteil einer Sekunde interveniert und meine nur:"Sonst haben wir stets Fleisch von guter Qualität." Bezahlt haben wir nur die Getränke und der Salat. Schadenersatz haben wir keinen erhalten aber hungrig waren wir jetzt nicht mehr.

In der selben Nacht erreichten wir Paris. Ich werde erst gar nicht anfangen von Paris zu schwärmen und zu erzählen, nur soviel: wir haben da in einem Kaffee unweit des Eiffelturms nochmals ein Rumpsteak bestellt. Es war himmlisch!
In Paris überkam mich auch plötzlich das Bedürfnis, Gesichter zu fotografieren. Hier ein Auszug davon...


Nach zweieinhalb Tagen Paris suchten wir unseren Van auf, um Richtung Normandie vorzustossen. Wir hatten unser Gefährt etwas unterhalb vom Mont-Martre neben einer Baustelle mit Taxameter parkiert. Wir hatten natürlich kein Ticket. Keine Parkbussen, keine Beschädigung, keine Einbruch, nichts. Es hätte für den Ford keinen sichereren Platz gegeben. Die Fahrt in die Normandie war vor allem gegen Abend etwas Mühsam, da wir noch keine Übernachtungsmöglichkeit ausfindig gemacht hatten. Die Nacht wurde immer dunkler, die Dörfchen immer kleiner und die Anzahl der Lichter darin immer weniger. Unser Fehler war, dass wir erst so gegen Mitternacht angefangen haben herum zu telefonieren. Dabei half uns allerdings unser super GPS, das ich Jakob in Freiburg abgekauft hatte. Ohne dieses währen wir übrigens in Paris mit dem Auto absolut(!) verloren gewesen. Jedenfalls hatte diese eine Funktion, wo man Herbergen im Umkreis darstellen kann. Diese wurden dann gleich nach der Distanz sortiert und waren sogar mit Telefonnummern hinterlegt. Dumm ist dann nur, wenn niemand abnimmt, nicht? Wir sind da in der Nacht herumgefahren, müde, erschöpft, immer noch keine Musik, hunger... kein Internet... Ich hab dann etwas das fünfunddreisstigste Telefon gestartet und einer hat uns dann tatsächlich empfangen. Auch da gäbe es wieder Anekdoten... aber die Zeit reicht einfach nicht, und ich möchte es vermeiden, einen dritten Teil "Frankreich Ferien" zu schreiben.

Am anderen Morgen (es war eher Nachmittag) machten wir uns dann auf nach Mont-Saint-Michel, eines Insel an der Küste der Normandie. Auf der Insel ist eine Kirche und ein kleines Dorf. Pro Einwohner hats da mindestens 4 Restaurants und 3 Souvenir-Läden.




Von einer Bekanntetn aus Paris, wurde uns auch das Küstenstädtchen Honfleur ans Herz gelegt. Auch ein Bezauberndes Städtchen! Die Kulisse erinnert ein wenig an einen Piratenfilm. Bemerkenswert ist auch die Anzahl der Gallerien hier: ganze 81 Kunst-Gallerien befinden sich in diesem winzigen Nest. Wie ich später herausgefunden habe, ist eine Grosstante von mir hier aufgewachsen, "s'Tante Madelaine".



Am Abend sind wir dann weiter nach Calais, wo uns die letzte gemeinsame Nacht erwartete. Am anderen morgen sind zum Hafen hinunter um die Fähre nach Dover zu nehmen. Beide, die britische und die französische Grenzwacht ist in Frankreich stationiert. Die Franzosen haben schon etwas merkwürdig geschaut, als sie bei der Passkontrolle einen englischen Van mit zwei schweizer ID's und einem finnischen Pass vorfinden. Das wollten sie ich natürlich genauer anscheuen und ich zitterte wieder einmal um meine Ladung. Ich musste den Laderaum öffnen. Kaum 2 Sekunden hat die Übung gedauert. Ich hab nicht mal den rostigen zweiten Flügel anständig aufgekriegt, als er bereits abgewunken hat und mir die Dokumente zurückgab. Fünfzig Meter weiter vorn waren die Engländer am Zoll. Das selbe Spiel, aber diesmal mit schusssicheren Vesten (jeder englische Polizist hat immer eine schusssichere Veste an, auch wenn er Parkbussen verteilt) und Hünden. Zusätzlich musste ich in eine Art Unterstand fahren. Die haben da sicher irgendwelche Röntgengeräte drin. Auch hier musste ich den Laderaum öffnen. Doch hier ging's noch schneller. Das beunruhigende war eher die Art und Weise, wie ich die Tür jeweils schliessen musste. Da die Flügel so rostig waren, war ich gezwungen mit einem starken Kick die Türe zu zuschmettern bevor ich dann das Hängeschloss an der an die Blechtür angeschweisste Halterung anbrachte. Die Überfahrt war friedlich. Croissant und Kaffee, zum letzten mal wirklich geniessbar... aaahhh



Das waren sie dann langsam unsere Frankreich-Ferien. In England angekommen, fuhren wir direkt zum Stansted Airport, wo wir Timo wieder nach Hause schickten. Raffaele kam noch ein paar Tage mit nach Newark, aber seine Eindrücke und vor allem der damit verbundene Kulturschock lasse ich an dieser Stelle mal lieber weg.

Bis bald liebe Freunde!

Donnerstag, 5. November 2009

043 Ferien in Frankreich (erster Teil)

Liebe Freunde

Letzte Woche hatten wir hier an der Schule eine Woche Ferien. Schon lange freute ich mich ganz speziell auf diese Woche, weil ich mit zwei Freunden (Timo und Raffaele) abgemacht hatte, in dieser Woche mit einem Kleinbus von Zuhause (Schweiz) nach England zu fahren und dabei einen Abstecher in Frankreich zu riskieren.

Beinahe wäre einige Male alles schief gegangen...

Der Kleinbus
Ein langjähriger Freund von mir ist kürzlich von Wales nach Deutschland umgezogen und hat sich dafür einen 10-jährigen Kleinbus vor Ort gekauft. In Deutschland angekommen, hatte er keine Verwendung mehr für den Bus. Ihn zu Importieren wäre zu aufwendig gewesen. Dann hat er das Steuer auf der rechten Seite und es gäbe noch mehr argumente nicht damit herumzufahren. Jedenfalls hat er mir angeboten die Karre zu erben. Mit grosser Freude hab ich also geerbt und gleich meiner Schwester (sie arbeitet im Autogewerbe) telefoniert und sie gebeten mal einen Blick unter den Bus zu werfen, damit ich auch beruhigt damit nach England fahren kann. Mit etwas besorgter Stimme hat sie mir dann natürlich zugesagt. Als dann einige Tage später der Vater meines Freundes mit dem Bus auf den Garagenplatz meiner Schwester fuhr.... naja, jedenfalls kriegte ich umgehend einen Anruf. Meine Schwester meinte, dass es ihr unerklärlich sei, wie er mit der Karre in diesem Zustand überhaupt die Grenze passieren konnte. Der Rost sei schon krass genug, aber anscheinend befinden sich auf allen vier Rädern Reiffen mit unterschiedlichen Dimensionen und vorne recht komme bereits das Leintuch unter dem Gummi zum Vorschein und überhaupt, wenn ich damit erwischt würde, bekäme ich mit Sicherheit einen Vormund! Das war ja mal ein aufmunterndes Telefonat. Sie war wirklich sehr aufgeregt. Nach ein paar Stunden hat sie mir dann noch einmal telefoniert und gemein, dass es doch nicht so schlimm sei. Die Bremsen seien OK und der Motor auch, aber die "Finken" müssen runter. Sie hat's geregelt und als ich das Auto abholen wollte wär eigentlich alles in Ordnung gewesen, hätte da nicht der Lehrling über Mittag sämtliche Autos geschlossen (wie es sich gehört). Er wusste ja nicht, dass man diesen Bus nur schliessen, nich aber wieder öffnen konnte. Tja... nach einem gelungenen Einbruch durfte ich dann meinen Bus (mit noch mehr Beulen als zuvor) freudigst in Empfang nehmen....ufff

Die Versicherung
Ein weiterer Horror-Akt der britischen möchtegern-Dienstlistungs-Bürokratie... sich versichern zu lassen hat ja IMMER damit zu tun, dass man einer Institution sein Geld geben möchte. Diese Handlungsweise macht ab und dann ja auch sehr viel Sinn... wie dem auch sei. Da dieser Bus ja ein in England hergestelltes Auto ist (Steuer auf der rechten Seite etc) dachte ich mir, wärs wohl am einfachsten, ich lasse die Kiste in England versichern... denkste... ich hab mit ca. 17 verschiedenen Agenturen lang und breit verhandelt. Anfangs sahs ja immer prima aus, da wird einem angepriesen...und dann möchten sie gaaanz viele Informationen von einem. Beispielsweise ob ich Besitzer eines oder mehrerer Liegenschaften bin (für eine Haftpflichtversicherung!) oder ob mein Auto nachts auf einem privaten Grundstück parkiert ist (immer noch für die Haftpflicht!!) und so weiter... jedenfalls hats dann am Ende immer geheissen:
  • unglücklicherweise sind wir nicht in der Lage...
  • leider bin ich nicht autorisiert.... aber unter folgender Nummer...
  • es tut uns sehr Leid, aber...
Ständig diese Ausreden und immer wieder von Neuem all die Informationen... Plötlich ist mir de Kragen geplatzt und ich hab mal so richtig ausgerufen am Telefon (passiert mir eher selten, eigentlich nie). Der arme Call-Center Mitarbeiter musste sich mal meinen ganzen - während 2h aufgestauten - Frust anhören. Ja ich war sehr aufgebracht. Er hat dann mit seinem Superviser gesprochen und konnte mir dann ein extrem zu überteuertes Angebot machen. Ich fragte ihn dann was eigentlich das Problem sei: naja, meinte er, ich hätte halt keine UK-Fahrprüfung, sei Student und kein Bürger des "Grossartigen Britannien". So, jetzt wusste ich mal was Sache war. Nach drei weiteren Versuchen (diesmal hab ich jeweils vorausgeschickt wie meine Lage aussieht) hab ich mich dann entschlossen bei meiner Haftpflicht den Zusazu "Drittlenker" hinzuzufügen. Ein Telefonat von 3 Minuten. Eigentlich ging es nur 2 Minuten, aber ich hab noch fünf Mal nachgefragt ob das jetzt wirklich OK sei und ich mich um nichts weiter kümmern muss. Und es war einfach "erledigt". Ich hatte nicht mal meine Versicherungsnummer!! Wir Schweizer habens schon gut, glaubt mir!

Der Aufbruch
Nach einem bezauberndem Hochzeitsfest in Deutschland, zu dem ich eingeladen war, haben mich Timo und Raffaele am Sonntag Morgen auf dem Hofgut Albführen - einer wunderschön angelegten Mostbröckli-Pension - mit dem Bus abgeholt.
Unser Ziel war: England-via-Frankreich. Relativ Planlos aber voller Freude sind wir mit diesem mit Klangholz und weiterem Material gefüllten Bus voller Zuversicht Richtung französische Grenze gefahren. Unser erstes Etappenziel sollte Paris werden...

zweiter Teil folgt...

042 Das Musiklager in Ftan GR

Liebe Freunde

Seit dem Herbst 1997 führt die Jeunesses Musicales Thurgau, in unregelmässigen Abständen, im Unterengadin in Ftan, Musikwochen durch. Es geht darum, mit jungen Musikern und Sängern aus der ganzen Schweiz, innert einer Woche ein klassisches Werk zur Konzertreife zu erarbeiten, um diese dann der Öffentlichkeit vorzuführen. Dieses Jahr war es "Die Schöpfung" von Joseph Haydn.

Eine Musikwoche dieser Art, ist immer ein besonderes Ereignis. Es treffen Menschen aus allen Teilen des Landes aufeinander. Nebst deutsch wird auch französisch, italienisch und englisch gesprochen. Menschen finden sich, Freundschaften werden geschlossen. Eine spürbare Kraft entsteht fernab von Alltagshektik, Kriegsgeschehen und Schweinegrippe-Terror. Es ist, als bliebe die Zeit stehen. Man hat kaum das Bedürfnis das Natel einzuschalten oder Emails zu lesen. Eine grosse Zufriedenheit und Ruhe stellt sich trotz viel Betriebsamkeit ein.

Vor 12 Jahren war ich zum ersten mal Teilnehmer an dieser guten Sache. In dieser Zeitspanne hat sich natürlich meine Wahrnehmung stark verändert. Ich sehe meinen damaligen jugendlichen Leichtsinn nun in jüngeren Teilnehmern und kann nur Schmunzeln. Die Mischung verschiedenster Charakteren ist absolut spannend. Der Abschied fällt jeweis umso schwerer. Doch noch lange klingen die Musik und die guten Gespräche in einem nach. An dieser Stelle ine herzliches Dankeschön, an ALLE, die diese Woche ermöglicht haben. Für diejenigen dies interessiert: http://musikwocheftan.ch

Hier noch einige visuelle Impressionen. dazu ist zu sagen, dass ich am Tag des Lagerbeginns in Friedrichshafen gelandet bin, mit der Fähre den See überquerte und am darauffolgenden Morgen mit der Bahn ins Engadin gefahren bin. Ihr werdet wenige Bilder sehen, wo wir am Proben sind (eben deswegen) und leider auch noch keine der Konzerte (weil wie eben am Singen waren) aber die werden später noch nachgeliefert.

Liebe Grüsse in die Schweiz
Euer Gabriel

Dienstag, 8. September 2009

041 Das zweite Jahr

Liebe Freunde

Während des Sommersemesters war ich die meiste Zeit über in der Schweiz. Über zwei Monate lang... und jetzt, da die Ferien vorbei sind, weiss ich eigentlich gar nicht mehr, was ich alles so getrieben habe in der lieben Heimat. An einige Dinge kann ich mich wohl erinnern. Zum Beispiel war ich eine Woche lang im Engadin und hab gelernt wie man Antennen berechnet. Zugegeben, eine etwas eigenartige Beschäftigung für einen Geigenbauer, aber hoch interessant. Es gibt viel mehr Parallelen zwischen der Elektrotechnik und der Akustik als man sich vielleicht so denkt. Jedenfalls war das Seminar richtig cool! Eigentlich waren diese Woche Engadin meine Ferien...

Daneben ist noch so viel Anderes passiert, ich hab viele Freunde getroffen, einige unvergessliche Begegnungen, einige Hochzeiten (die scheinen sich erheblich zu häufen)...

Jedenfalls bin ich jetzt "back in UK" und hab mein zweites Jahr in Angriff genommen. Dieses zweite Jahr ist extrem spannend, da ein ganz neues Kapitel angeschnitten wird, nämlich das Restaurieren. In diesem Jahr werd ich - unter der Aufsicht der beiden Lehrer Paul Gosling und Peter Smith - ein recht altes, wunderschönes Cello zu restaurieren beginnen. Durch Glück, Engagement und etwas Vitamin B hab ich nun die Möglichkeit an diesem wundervollen Instrument zu lernen, und gleichzeitig ein Stück Geschichte Tag für Tag in Händen zu halten, mit dem Ziel, dieses wundervolle Stück Holz eines Tages wieder zum Klingen zu bringen. Ist das nicht absolut befriedigend? Ich fühl mich fast wie ein Chirurg (ohne Zeitdruck und ohne Porsche natürlich). Heute hatte ich also mein erstes Gespräch mit Paul und wir sind einige Details durchgegangen. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Jahr ein sehr erfolgreiches werden wird!

Dann hab ich heute mit allergrössten Freuden festgestellt, dass ich nicht mehr der einzige Helvetier auf Platz bin! Ein Kommilitone aus Genf macht dem Foundationjahr die Ehre. Da seine beiden Eltern beide "Dütschschwiizer" sind, spricht er aber perfekt Dialekt. Wir haben uns heute bereits das erste gemeinsame "Pint of Bitter" genehmigt und ich hab ihm ein wenig von den hiesigen Sitten berichtet. Ich freue mich sehr auf die künftigen Gespräche!

Dann bin ich seit heute stolzes Mitglied der BMVA (oder British Violin Making Asosiation). Dies aber nur, weil die gerade ein sauteures Buch in Angebot haben, und Mitgliedern einen saftigen Rabatt gewährt wird. Die Geigenbau Bücher sind ohnehin extrem teuer, da die Druckqualität einfach gut sein muss (sonst bringts ja nichts) und die Auflagen halt einfach verschwindend klein sind... tja, das Los des Geigenbauers.

Dann hatte ich noch Mailkontakt mit einem Venezianer namens Stefano Pio. Er hat sich mit der Geschichte des Venezianischen Geigenbaus sehr fundiert auseinander gesetzt und zwei Bücher veröffentlicht. Dabei hat er aufgrund von Archiv Fakten die Geigenbauwelt (insbesondere die Welt des Handels) zum Teil recht erschüttert. Er hat zum Beispiel herausgefunden dass der langgeglaubte Geigenbauer "Michel Deconet" in Wirklichkeit ein Wandermusiker war und nur Instrumente in seinem Namen herstellen liess. Die grossen Auktionshäuser in London haben aber hunderte Zertifikate auf Instrumente ausgestellt, die sie Deconet zuschreiben und sich dabei eine goldene Nase verdient. Sogar letzten Frühling (ich war in London an zwei Auktionen) kam wieder ein Deconet-Geige zu einem hohen Preis unter den Hammer. Es scheint als ignorieren die englischen Kollegen in der Hauptstatt unten gewisse Neuerungen... Ein Grund mehr, sich hier auf einer abgeschotteten Insel zu fühlen.

Dann hab ich bald ein grosses Auto, einen Ford Transit. Ein Freund von mir, der von Wales nach Deutschland umzieht, hat ihn mir vermacht. Eine super Gelegenheit endlich mal die vielen schweren Sachen mit nach England zu nehmen. Auch für Countriside-Ausflüge wird sich das Mobil bestens eignen, nur vor der Zulassung graut mir jetzt schon... die Bürokratie in diesem Lande sprengt alle Vorstellungen. Die meistgehörten Floskeln in diesem Zusammenhang sind "I'm sorry, but", "unfortunatel we don't...." und "I'm not authorised to....." ("es tut mir Leid, aber...", "unglücklicherweise haben wir keine..." und "es ist mir nicht erlaubt..."). Da ich ja jetzt im zweiten Jahr bin, muss ich mich wieder durch all die Anmeldeformulare kämpfen, und die machen sooo keinen Sinn! Zum Beispiel wollen sie wissen, wie man angeredet werden möchte (Mr, Miss, Ms) und gleich nebenan fragen sie ob man männlich oder weiblich sei (kein Witz!). Oder dann muss man - zum x-ten Male - das Geburtsdatum angeben, und gleich darunten möchten sie wissen, wie alt man dann eigentlich sei... also irgendwie.... tragisch sind dann die fragenden Gesichter der Lehrer, die dazu verdonnert werden, diese Bögen mit uns auszufüllen, aber ich will mich jetzt nicht länger ärgern, denn ich freu mich ja!!

So meine Lieben, ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende!

Sonntag, 24. Mai 2009

040 Die erste Fahrradtour

Liebe Freunde

Ob ihr es glaubt oder nicht, hier in England zeigt sich die Mutter Natur gerade von ihrer aller schönsten Seite. Es ist warm wie im Sommer, der immer währende Wind scheint versiegt, die Vögel singen, als ob sie nie was anderes täten (was tun Vögel eigentlich sonst so?), im Park sind überall Hasen mit ihren Jungen zu sehen, es wird gefischt entlang den Kanälen wo sich allerlei Geflügel samt Nachwuchs geschäftig herumtreibt und die Sonne bleibt unverhüllt den ganzen Tag am klarblauen Himmel. Nein das ist kein gestohlenes Gedicht, das hab ich selbst erfunden...haha. Einverstanden, so gut war es jetzt auch wieder nicht, aber es ist immerhin wahr!!

André, ein Deutscher aus dem zweiten Jahr Geigenbau, rief mich heute morgen an und hat gefragt, ob wir ne kleine Fahrradtour machen. Nach kurzer Absprache mit meiner fast-Ehepartner Salvatore - wenn wir diskutieren könnte man meinen wir seien schon 20 Jahre verheiratat - hab ich mich gerne dazu entschlossen, etwas körperlicher Ertüchtigung machzugehen.
Um fünf Uhr haben wir uns also bei André getroffen und sind mal losgezwitschert... einfach mal raus aus dem Dorf, mal nach Rechts, mal nach Links... einwenig auf schmalen Weglein und vorbei an abgebrannten Häusern... und irgendwann... wussten wir nicht mehr wo wir waren und wollten den unliebsamen Geruch der Kohlegrube, die linkerhand von uns lag, los werden. Plötzlich hatte ich die absolut glorreiche Idee, das Rapsfeld, das sich rechterhand von uns erstreckte mit dem Fahrrad zu durchqueren. Die Traktorspuren anerboten sich als potentiell geeignete Routen. Naja.... ... ... aber weil wir schon halb durch waren, dachten wir, jetzt schaffen wirs auch noch bis zum Ende (nein, ich hab da nichts vergessen hinzuschreiben, das war Absicht). Auf der anderen Seite angelangt, fühlten wir uns wie kleine Jungs, die zum ersten Mal ohne das Wissen ihrer Eltern, den verbotenen Wald hintder dem Bach wo nur das schmale Brücklein drüber führt, erkundschafteten. Es war ein herrliches Gefühl. Da hinten war alles so schön (Ja, wir sind immer noch in England). Hohe Hecken mit allerlei Getier und Insekten. Und ein V-förmiger Kanal mit wenig Wasser, der sich entlang dem Rapsfeld seinen Weg bahnte. Etwas entfernt war ein Plateau, vielleicht 20m hoch künstlich aufgeschüttet. Das tönt jetzt nicht nach Viel, aber von da oben konnten wir alles sehen. Auch den Kirchturm von Newark und somit wussten wir wieder wo wir waren. Dies fürte mich dann gleich zur zweiten glorreichen Idee, die ich an diesem Nachmittag hatte und zwar die des Überqueren des Baches zwecks besserer logistischer Möglichkeiten (hinter dem Bach lag ein Radweg, ja, ein Radweg!!). Naja.... ... ... und obwohl ich mir den Fuss verknackst habe, hat sich André dann doch dazu entschlossen auch auf die andere Seite des Baches zu kommen, da Salvatore ja bewiesen hatte, dass es auch eine sicher Variante der Überquerung gab (nein, wiederum kein Textfehler, alles Absicht). Nach einigen Minuten bin ich dann via Brombeerbusch zu Radweg gekrochen, wo mir Idee Nr.3 durch den Kopf schoss.

Das rechte Fussgelenk war ja temporär hinüber aber ein Verwundetennest war Weit und Breit nicht zu sehen. Fraglich auch, ob mir die Briten ad interim in der Royal Army diplomatischen Schutz und Pflege gewährt hätten (Bitte entschuldigt die Analogien. Ich bereite mich auf einen etwaigen WK im Sommer vor.). Also entschloss ich mich den Gummiriemen meines Gepäckträgers dazu zu verwenden, die linke Pedale des Fahrrades mit meinem linken Fuss dauerhaft zu verbinden, um sowohl die Tretbewegung nach unten, als auch die Tretbewegung nach oben zu realisieren. Somit konnte ich den rechten Fuss total entlasten. Dies allerdings sehr zum Nachteil der relativ beschränkten Kapazität meines linken Beines... Irendwie bin ich dann trotzdem noch nach Hause gekommen und hab dann sogleich mit der Erbsensack-aus-der-Gefriertruhe-Kühlterapie angefangen. Trotzdem: Fortbewegen tu ich mich jetzt nur noch im Bürostuhl und lagere mein Bein ständig hoch...

Hoffentlich bin ich bald wieder in der Lage vernünftig zu gehen... und das jetzt wo die Ferien da wären =(

Übrigens: Anregungen zur Genesung nehme ich allergernstens entgegen...

Bis bald
Euer Gabriel