Donnerstag, 12. März 2009

036 Von Zufällen und Begebenheiten I

Liebe Freunde

Denjenigen, die aufmerksam meine Berichte lesen, ist bestimmt aufgefallen, dass sich in meinem Leben immer dann etwas Unerwartetes abspielt, wenn ich an einem Bahnhof, einem Flughafen oder sonst an einem Platz bin, wo sich viele Menschen scheinbar ohne jede Verbindung zueinander bewegen. Da geschehen doch immer wieder die fruchtbarsten (momentan mein Lieblingswort) Begegnungen.

Heute ist ja der letzte Tag meines London Aufenthaltes. Auf dem Programm steht in erster Linie mal das Auktionshaus Bonhams, dass die Tore um 12 Uhr mittags öffnet. Zuvor wollte ich eigentlich noch ins British Museum was wirklich immer sehr interessante Ausstellungen organisiert. Der Eintritt ist übrigens frei. Aber es kommt alles anders. Um 6Uhr morgens werde ich vom Gestöhne eines der sieben anderen Kumpanen, mit den ich mein Zimmer teile, auf sehr unangenehme Weise geweckt. Der Artgenosse, der irgendwie dem Bud Spencer in jungen Jahren glich, hatte plötzlich einen Anfall von Husten. Die akustische Ausschmückung dieser schleimigen Eruptionen menschlicher Physis möchte ich euch an dieser Stelle gerne vorenthalten. Es schien als sei der Gute krank. Nachdem er sich von seinem Anfall erholt hatte, begann er ständig auf die Matratze und den Boden zu spucken. Auf diverse Fragen nach seinem Zustand oder der nachdrücklichen Bedürfnis Seitens der Anderen damit aufzuhören, hat er nicht reagiert. Als er dann angefangen hat aus dem Gesicht zu bluten wurde mir die Sache zu bunt. Ich hab um halb sieben aus meinem Zimmer ausgecheckt und allen viel Spass gewünscht. Da das Frühstücksbuffet (Kellog's, Toast, Jam (Confiture), Tee und extrem UHT-Milch) noch nicht geöffnet hatte, verweilte ich mich im Aufenthaltsraum mit einem herumliegenden DVD. Anschliessend begab ich mich recht müde zum z'Morge und doch noch einige Spurenelemente zu mir zu nehmen. Da hab ich mich dann an einen Tisch mit zwei Südländern gesetzt. Der eine war Italiener (Calabrien), der Andere ein Mexikaner. Wir begannen unser Tischgespräch natürlich mit DEM Thema des Morgens bzw. des Erwachens. Zum Glück sind wir dann bald auf Themen wie das Leben in London, die Finanzkriese und die Rolle der Schweizer Banken sowie der Grund für den Nichtbeitritt der Schweiz in die EU und so weiter. Ich muss sagen dass ich in dieser billigen Jugendherrberge bisweilen das interessanteste Gespräch über Politik, Geschichte und Kultur mit "Fremden" geführt habe seit ich auf der Insel lebe. Es war sehr fruchtbar!

Der anregenden Themen wegen verspätete ich mich, und es war nicht mehr sinnvoll das British Museum aufzusuchen. Ich entschloss mich kurzerhand den Portabella Market in Notting Hill zu besuchen, der letztes Jahr von einem grossen Brand heimgesucht worden war. Leider war nicht so viel los da, aber die Vielzahl der verschiedenen Shops und kleinen Läden ist schon beeindruckend und der Kontinentale Einfluss ist da eindeutig zu erkennen. Eine junge Frau hat mir erklärt, dass hier der Markt besonders am Freitag und Samstag sehenswert sei.



Leider hatte ich dann auch gar nicht mehr viel Zeit und hab mich auf den Weg zu Bonhams gemacht. Bin gerade einige Minuten nach "Anpfiff" zur Auktion dazu gestossen. Im Wesentlichen ging es Bei Bonhams ruhiger zu und her, aber was auffiel: die Asiaten kaufen was sie kriegen können. Dazu gibt es folgende Aspekte. Erstens gibt es in Asien eine grosse Nachfrage für gute Instrumente, da es dort natürlich auch gute Studenten gibt. Zweitens würde so ein Student aber immer ein europäisches Instrument einem "chinesischen" vorziehen falls er es sich leisten kann. Drittens ist da da die Wirtschaftskriese in England recht stark zu spüren, eventuell ein Grund für gewisse Leute ein schönes Instrument zu verkaufen. Viertens ist genau das Argument von drittens für gewisse Leute ein Argument zu kaufen, da der Wert eines Instrumentes ja eigentlich nie sinkt, sondern stetig steigt. Und fünftens wäre noch das extrem tiefe britische Pfund, dass es ausländischen Käufern nochmals leichter macht zuzuschlagen. Wenn ich das Geld gehabt hätte, ich wäre mit einigen Instrumenten nach Hause gekommen. Auf jeden Fall aber hab ich an den beiden Auktionen enorm viel gelernt über Formen, Linien, Farben und auch ein wenig Klangfarben. Und nicht zuletzt über das Kaufverhalten von Händlern und Musikern.

...zweiter Teil folgt Morgen...

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Gabriel.Vor einem Jahr am 13.
waren wir zusammen auf dem Friedhof.
Ich lese dein letzter Tag in England.
Melde Dich doch kurz,wenn Du wieder ein paar Tage in CH bist.

Gabriel Bolliger hat gesagt…

Grüss Dich Helmut!
Natürlich schau ich vorbei wenn ich zu Hause bin. Ihr arbeitet bis Donnerstag nehme ich an?
Liebe Grüsse