Es ist Freitag Abend und somit auch Zeit meinen Blog wieder etwas zu füllen denn schliesslich ist ne Menge passiert in der Zwischenzeit. Fangen wir hinten an. Ich war heute (obschon frei) in der Schule und hab am Griff für eines meiner Messer gearbeitet. Die Schule ist wirklich sehr offen organisiert. Ich geh einfach in ein Schulzimmer rein und nehm mir eine freie Werkbank. Das darf ich auch wenn eine Klasse darin Unterricht hat. Selbst der Lehrer dieser Klasse wird auf mich eingehen wenn ich ein Problem oder Fragen habe. Und sonst sind da auch noch 6 andere Lehrer oder Studenten da, die einem gerne weiterhelfen. Die Atmosphäre ist wirklich einzigartig. Hab ja auch Tech-Luft im 3000 Seelen FH-Dorf in Winterthur geschnuppert und muss schon sagen dass diese beiden Systeme überhaupt nicht zu vergleichen sind.
Am Nachmittag lernte ich einen ehemaligen Schweizer kennen der in England lebt seit ich auf der Welt bin. Ein Berner. Aber er wollte aus Prinzip kein Wort schweizerdeutsch mit mir reden. Keine Ahnung was ihn hierher verschlagen hat. Er meinte er könne sich auch nicht mehr sinnvoll ausdrücken. Verstehen tue er allerdings noch recht gut. Man merkt ihm den Akzent auch irgendwie an. Ich gebe mir Mühe so akzentfrei wie möglcih zu sprechen und zwar englisch, deutsch und auch französisch (eine echte Herausforderung)!
Vorgestern war ich auf dem Auktionsmarkt gleich hinter dem Castel auf der anderen Seiter der Trent (hiesiger Fluss). Da geht es zu und her wie auf einem Viehmarkt (stell ich mir jedenfalls so vor). Es herrscht ein reges Treiben und Jedermann brint den letzten "Plunder" her, den ich persönlich als absolut unverkäuflich weil unbrauchbar einstufen würde. Aber falsch gedacht. Auf diesem Markt wird einfach alles irgendwie verkauft. Das System zu beobachen macht richtig Spass. Ich war ja eigentlich wegen eines Farrads da und wurde auch fündig. Da war eine dichte Menschenmenge um einen Haufen aufeinandergestapelte Fahrräder oder Teile davon. Dann waren da zwei Männer, der eine war der "Auktionist" (er schrie die Preise in die Umgebung hinaus und wenn man ihm zublinzelte oder ihn am Ärmel zupfte, dann war man mit einem Pfund mehr wieder im Rennen) und der Andere war der "Hochhalter" (Fahrrad so hoch halten dass es alle sehen können). Zuerst musste ich mich mal nach vorne kämpfen bis ich die guten Stücke überhaupt zu Gesicht bekam. Dann hab ich angefangen mitzubieten. Das war so lustig. Die einen nehmen das total ernst und verstecken sich unter ihrem Baseball-Cap damit der Nachbar nicht sieht ob er gerade mitgeboten hat oder nicht. Da war auch ein Rennvelo. Der Auktionist beginnt immer mit 5 Pfund. Wenn niemand einsteigt geht er runter auf 4, dann 3. Spätestens jetzt hält es einer nicht mehr aus und die ganze Truppe folgt ihm. In wenigen Sekunden sind wir auf 10, 12 Pfund. Dann wirds langsamer (die Sache mit dem Eintreffen des Zahltags, sprich anfang Monat oder ende Monat, spielt hier allgemein ne riesen Rolle). Der Renner hat mir echt gut gefallen. Ich bot also mit. Ein Herr um die 40 auf der anderen Seite auch. Wir haben uns gegenseitig hochgeschaukelt. Es war so spannend, echt! Bei 20 bin ich ausgestiegen und er hats dann bekommen. Trotzdem muss man sich vorstellen, dass 20 Pfund gerade mal etwas mehr als 40 Franken sind, also eigentlich Nichts für ein intaktes Rad.
- Es gibt hier im Gegensatz zu der Schweiz merkwürdige Unterschiede, z.B. Luft an der Tankstelle kostet hier etwas oder fast alle Artikel im Laden sind irgendwie heruntergesetzt oder es gibt massenhaft "special offers" im Sinn von :kaufe eines und nimm noch ein zweites gratis! Die Milch ist scheusslich. Ich Kaufe nur noch BIO (das heisst hier übrigens "organic"). Die hat dann sogar noch eine schöne Rahmschicht oben auf. -
Jetzt bin ich aber abgeschweift. Ich wollte ja ein Fahhrrad kaufen. Dann hab ich eines gesehen ausserhalb dieser Auktion bei einem Händler. Aber bevor ich das kaufen konnte brauchte ich ein Schloss, denn wenn ich mit dem Fahhrad zu einem Laden fahren würde um ein Schloss zu kaufen wär ich nachher ohne Fahrrad aber mit Schloss unterwegs. Mein Lehrer hat mir erzählt, dass man hier besser immer beide Räder auch mit dem Rahmen um eine Stassenlampe binde. Sogar dann sei ihm mal der Sattel geklaut worden (!). Ich hab jetzt also ein Hübsches Bike für £35 gekauft und bin sehr zufrieden!
Hier meine ersten Arbeiten:
- eine Schablone einer Strad aus der goldenen Periode
- Mein Werkbank für diese Woche (Mann bekommt jede Woche einen neuen Arbeitsplatz zugewiesen. Das hat mehrere Gründe. Zwei davon sind sicher, dass man einerseits alle Mitschüler etwas kennenlernt aber sich andererseits auch an die unterschiedlichen Lichtverhältnisse gewöhnen lernt)
- Eines der Schulzimmer
- und ein Griff für eines meiner Messer
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