Dienstag, 2. September 2008

004 Ich leb mich langsam ein

In dieser WG geb ich in Sachen Sauberkeit ziemlich den Ton an. Zumindest was die "public areas" angeht. Dafür putze ich auch alles. Aber seit ich mit Timo zusammen gelebt habe (es war eine wundervolle Zeit) weiss ich wie wichtig eine saubere Küche ist. Nicht dass mir dies Mutter nicht auch beigebracht hätte, aber wenn man's von einem Freund nochmal so richtig eingetrichtert bekommt... das sitzt dann schon tiefer. Jedenfalls hab ich kumuliert sicher schon einen ganzen Tag in dieser Küche mit putzen verbracht. Es ist doch so, wir sind fünf Leute und jeder hat sein Zeug. Drei davon sind ganz still und scheu und einer macht sich einfach breit. Jetzt fehlt nur noch der Revoluzer Bole, der alles über den Haufen wirft. Ja, ich werfe Strukturen um und bringe neuen Wind in die Bude aber ich bin sicher dass schlussendlich alle damit zufrieden sind.

Da wir heute frei haben um noch eine ganz Liste an Dingen zu organisieren, hab ich etwas ausgeschlafen. Danach ging ich in die Stadt. Mir fehlte noch ein Ordner, ein Pinsel, ein Stück Seife, eine Schürze, ein Minenbleistift (auf englisch: mechanischer Bleistift) und ein Stück Kunststoff um eine kleine Geigenschablone für Anschauungszwecke nachzubilden. Beim Einkaufen traf ich Lucy. Sie ist Französin und auch in meiner Klasse. Sie hat sowas wie Innenarchitektur studiert und zuletzt Prototypen für eine Möbelfirma in Paris hergestellt. Wir haben uns bei einem Blätterteig-mit-Gemüse-was-auch-immer am Rande des Marktplatzes darüber unterhalten, wie es dazu kam, einfach alles hinzuschmeissen und sich etwas ganz Neuem zu widmen. Dabei ging es auch um die Angst vor dem Schritt aus einer klar strukturierten Lebenssituation heraus einfach wegzugehen und neu zu beginnen. An einem Ort, den man nicht kennt, mit Leuten aus anderen Kulturen (nicht zu unterschätzender Punkt), wo man eine andere Sprache spricht, andere Gewohnheiten pflegt. Eigentlich ein Sprung ins kalte Wasser ( à-pro-pos: wir haben einen Surfer in der Klasse, der jeweils oben in Schottland surft!!).

Anschliessend haben wir die Neuankömmlinge des Foundation-Cours (die ganz Neuen) etwas begutachtet. Das ist scheinbar immer DIE Attraktion. Ausser einem Briten sind alles Franzosen in dieser einen Klasse. Hätte nicht gedacht, dass ich jemals nach England gehen würde um französisch zu lernen. Man hat mir gesagt dass es nur von Vorteil sei an dieser Schule das Französisch etwas zu kennen. Die Gründe dafür sind mir längst klar.

Ständig sehe ich merkwürdige Dinge auf der Strasse passieren. Vorhin parkierte eine ältere Dame ihren Wagen am Strassenrand, stieg aus, verriegelte die Türen. Dann ging sie zum Vorderrad, nahm kräftig Anlauf und "ginggte" mit voller Wucht zweimal gegen die Radkappe. Dann fluchte sie noch irgend etwas und verschwand im Laden.

Am Nachmittag wollte ich dann mal das iBook in der guten Stube aufladen. Ich bemerkte dass die Steckdose stromlos war. Ganz selbstverständlich ging ich also zum Sicherungskasten (eigentlich eine vertikal montierte Blechschiene, die geschickt hinter einem Stück Holz direkt im Eingangsbereich verborgen ist) und legte den einzigen Hebel um, der auf OFF war. Da fängt es doch aus dem Wohnzimmer an zu bräseln und will gar nicht aufhören. Ich nichts wie hin zur Dose. Diese knistert seelenrugig wie ein britischer Teekocher vor sich hin. Und kein Automat der auslöst, merkwürdig. Ich bediente mich danach gleich dem Essbesteck meiner mitbewohner (meins ist ja neu, dass darf nicht bereits jetzt missbraucht werden) und öffnete die Dose um nach den Kontaktstellen zu sehen. Das Problem war rasch behoben, allerdings begann es bald zu regnen und da tropfte es doch tatsächlich den Kabelkanal entlang in die Dose runter. Ein elektrisierendes Argument , das Notebook doch im Zimmer oben aufzuladen...

Wünsche einen angenehmen Abend! Auf bald...

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