Hier in meinem Viertel wird immer montags der Müll abgeholt. Es gibt einen grauen Container (Papier, Blech, Plastik) und einen grünen (Abfall, Kompost, etc..). Beide sind momentan randvoll. Diese Container werden alternierend geleert. Heute wäre der Graue dran gewesen. Man hat mir gesagt, dass die Abfuhr immer ganz früh komme. Als ich mir also so gegen 9AM meinen Kaffee machte, sah ichganz entrüstet, dass niemand den Container rausgestellt hatte. Jedenfalls bemerkte ich später im Zimmer oben, dass da ein Lastwagen mit Männergeschrei die Strasse entlang fuhr. Ich schaute kurz aus dem Fenster und sah die Müllabfuhr. Also nichts wie runter, in den kleinen Hinterhof, den Container schnappen und.... nein, wieso ist da dieses Tor verschlossen? Ein riesiges Bügelschloss glänzte mir entgegen, dass seiner Dimension nach ein Törchen wie dieses gar nicht schmücken dürfte. Ein starker Fusstritt würde reichen um die ganze Mauer einzutreten. Wie dem auch sei, ich rannte in die Küche und suchte einen Schlüsel (im Hintergrund die Stimmen der rufenden Männer immer leiser werdend) aber da ein Schlüssel, rannte raus, passt nicht, wieder rein, einen Zweiten gefunden, dieser passt. Die Stimmen waren kaum noch zu hören... Ich entriegelte das Hochsicherheits-Mülldepot-Törchen und stürmte auf die Strasse (also das wollte ich) aber da hat ein Auto quer vor den Ausgang parkiert. Die Müllabfuhr setzte am Ende der Strasse bereits zur Kurve an als ein hilfsbereiter Brite meinen kläglichen Versuch den Müllwagen noch zu erwischen sah und dem Chauffeur freundlicherweise ein Zeichen gab. Ich umschiffte also vorsichtig das geparkte Auto und rannte mit samt dem Müllcontainer und einem überglücklichen Gesichtsausdruck dem stinkenden Vehikel entgegen. Meine Müllevakuierung nahm also ein glückliches Ende... alte Schweed!
Tja um zwei Uhr betrat ich zusammen mit 13 anderen Studenten aus England, Frankreich, Schottland, Deutschand und Japan das Unterrichtszimmer. Drei erwartungsvolle Herren schauten uns etwas ungläubig an. Es sah fast so aus als wollten sie uns fragen ob wir denn sicher seinen hier mitzumachen. Jedenfalls erhielten wir eine etwas spezielle (ich möchte sagen britische) Einführung über den Verlauf der bevorstehenden Jahre. So wie es klang, ist für die Lehrer der schlimmste Part immer das Administrative. Anscheinend wechselt das Schulsystem öfter als die Lehrer und das scheint zuweilen recht mühsam zu sein. Wir haben dann noch so ein "Kennenlern-Ründchen" veranstaltet. Das finde ich immer höchst spannend. Ist doch immer allen voll peinlich und die "Ausländer" (bin ja jetzt auch einer) sprechen so lustig... Unser Japaner hat wohl noch etwas Schwierigkeiten mit sprechen und verstehen. Schreiben kann er eigentlich ganz gut. Die Franzosen dominieren anzahlmässig in unserer Klasse. Wir haben zwei richtig alte Studenten, beides Briten. Die Eine hat einen 27-jährigen Sohn, der Andere könnte ihr Vater sein =) bin also sehr gespannt auf den interkulturellen Austausch. Es scheint dass ich der erste Schweizer bin, der überhaupt an der Schule studiert. Auch die Sache mit den Bilateralen Verträgen haben die noch nicht richtig verstanden. Wenn ich Glück habe, dann kann ich sogar gratis studieren. Muss anscheinend noch vor einen Ausschuss treten und vorsprechen. Unser Lehrer, Robert Cain, wird uns jetzt 3 Jahre lang begleiten. Es gibt 7 Klassen und somit 7 Lehrer an der Schule. Die allgemeine Stimmung scheint sehr entspannt und freundlich zu sein. In meiner Klasse hat nur der eine Schotte einen technischen Hintergrund. Die Anderen sind alle Kunststudenten oder haben was mit Musik oder Literatur am Hut. Bin so gespannt auf die Gespräche und die unterschiedlichen Ansichten.
Nach dem Ausfüllen des extrem verwirrenden "Student Entry Form" wurden wir mit Donut und Apfelsaft entlassen. Die Briten halten nicht viel von ihrem Government (Regierung). Soviel steht fest.
Übrigens: ich war kurz einkaufen bei Mirrisons (Supermarktkett im UK). Hab nach Leber gesucht, weil billig. Da Stand auf der Packung: OX LIVER. Hab einen Angestellten gefragt was denn "OX" bedeute. Er meinte das sei sowas wie ne Kuh, aber er war sich nicht sicher. Hat also noch einen gefragt und das hat noch ein Kunde mitbekommen und schlussendlich war da ne richtige öffentliche Diskussion über diese Kuh oder nicht Kuh. Jedenfalls haben sich dann alle darauf geeinigt dass es sich hierbei um einen Stier handelt, der nicht mehr zeugungsfähig ist (samt Illustration natürlich). Zu deutsch: ein Ochse. Da hätte ich auch selbst drauf kommen können oder?
Es grüsst freundlich aus dem verregneten England...
Eueg Gabriel
3 Kommentare:
Hey Bolla, es macht so Spass dini Blogs z lese, muass amel richtig lachä :-)))
oh i has eigentli nöd welle anonym machä, bi nonig so fit mit kommentar hinterloh :-) - aber ez liesi witer... reinstes lesevergnügen!! Andrea
sali Andrea, froit mi dass du Spass dra hesch =)
wennt nöd wötsch anonym sii, denn chasch eifach nachem Kommentiere une rechts anstatt "anonymous" "name" aklicke und denn det din Name igäh... dasch alles
wünsch der en Schöne Tag!
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